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Archiv vom 3. September 2018

3. September 2018

Die grosse Frage lautete…

Norwegen stürzte 2011 mit dem Massaker, ausgeführt von Anders Breivik, auf der Insel Utøya, wo er 69 Jugendliche und bei einem Anschlag zuvor 8 Menschen tötete, vom Himmel in die Hölle.

Es braucht Zeit, sich an das völlig neue Gefühl der Unsicherheit zu gewöhnen, und man sollte lieber keine deftigen Kommentare äussern oder voreilige Schlüsse ziehen. Vielmehr gilt es, grundlegende Richtlinien zu beschliessen, zum Beispiel, dass man Gewalt nicht mit Gewalt vergelten, sondern nach den Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates handeln wird – wie es unsere führenden Politiker vom ersten Tag an, getan haben. Die grosse Frage lautete: War der Mann strafrechtlich zurechnungsfähig, damit er überhaupt bestraft werden konnte? Gutachten lagen noch keine vor, doch vieles deutete darauf hin, dass der Täter eher in psychiatrische Verwahrung als in die Strafanstalt gehörte. «Aber warum haben Sie so viele Menschen getötet?» Auf diese Frage antwortete Breivik so selbstverständlich, als stünde er auf einer Wahlkampftribüne. Offenbar hielt er sich für einen grossen Denker. Aber um als ein solcher zu gelten und seine Botschaft verbreiten zu können, musste er zurechnungsfähig sein. Und je mehr die Frage in den Medien behandelt wurde, desto mehr interessierte sich Breivik dafür, dass man ihn dafür hielt. Lippestad: Ich weiss nicht, ob sich die Anwälte, Journalisten, Redakteure und Kommentatoren klar darüber waren, was für ein Geschenk sie dem Terroristen machten, indem sie diese Diskussion anheizten. (Ein Hoch auf die Medien sag ich!) Die Angehörigen der Opfer waren in der Frage der Zurechnungsfähigkeit geteilt. Obwohl Breivik in einem unsicheren Familienverhältnis aufwuchs, reicht das nicht aus seine Entwicklung zu erklären. Einiges in seiner Jugendzeit sprach zwar dafür, in die Gewaltrichtung zu lenken, doch in der Arbeitswelt schloss er die Handelsschule ab, arbeitete als Teamleiter und hatte später ein eigenes Geschäft. Doch dann scheint ein neues Kapitel zu beginnen.

Der Anwalt Geir Lippestad legt in seinem Buch (bei uns im buchplanet.ch) ICH VERTEIDIGE ANDERS BREIVIK – WARUM? seine schwierigste Strafverteidigung dar.