Nur für Fortgeschrittene!

Es gibt viele Bücher über das Schach (vergleiche Blog vom 13. April 2017), auch solche für Anfänger. Schachphilosophie von Josef Seifert hingegen ist definitiv nur etwas für Fortgeschrittene.

Es gibt viele interessante philosophische Knacknüsse beim Schach. Man stelle sich vor: In der Realität nur ein kariertes Brett (sozusagen das Brett, das die Welt bedeutet) und 32 komische kleine Figürchen – in der Fiktion des Spiels eine ganze Miniaturwelt. Der König als schwache und angreifbare Figur, die aber dennoch direkt oder indirekt das ganze Geschehen bestimmt. Die Dame als starke, dominante Figur, die meistens eine sehr zentrale Rolle spielt (ausgesprochen feministisch). Eine fast unendliche Vielfalt an Möglichkeiten. Regeln, die im Grunde völlig willkürlich sind, aber trotzdem von jedermann eingehalten werden (der Läufer zieht so, der Turm zieht so, der Bauer zieht so…). Daneben gibt es auch noch „inoffizielle“ Faustregeln (zum Beispiel: Möglichst früh das Zentrum besetzen), die nicht willkürlich, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Erfahrung sind. So geht es über 100 Seiten weiter: „Anwendung allgemeiner logischer, ontischer und mathematischer Wesensgesetze beim Schach“ (Du lieber Himmel!), „Empirische und apriorische Erkenntnis notwendiger Gesetze“ (Wie bitte?)… Ein eigenes Kapitel ist der Ethik des Schachspiels gewidmet (es gibt nämlich eine solche!), ein weiteres dem Schach in der Kunst. Ebenfalls betrachtet wird die Frage, ob der Computer je den menschlichen Schachspieler verdrängen wird. Ich persönlich glaube das nicht. Ausserdem macht das Schachspielen gegen Menschen viel mehr Spass, von den Erfolgschancen mal ganz zu schweigen.

Sind Sie noch da, geschätztes Publikum? Lassen Sie sich durch dieses ganze Gequassel ja nicht vom Schachspielen abhalten!

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