Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Will ich in mein Gärtlein geh’n…

von Gabriel Weber

Auf weit mehr als das „bucklicht Männlein“ aus dem Gedicht stossen die Protagonisten im Jugendbuch Wolfsgarten von Antonia Michaelis.

Achim und Karl sind zwei Jungen, die in einem Kinderheim aufgewachsen sind. Inzwischen leben beide in Adoptivfamilien, aber jetzt kehren sie noch einmal in das Heim zurück, in dem sich nämlich rätselhafte Dinge abspielen. Achim und Karl finden in der Nähe des Kinderheims einen ummauerten Garten, in dem ein uraltes, verlassenes Herrenhaus steht. Das wäre ja noch nicht so aussergewöhnlich – aber die Tatsachen, dass sich erstens das Tor des Gartens von innen nicht mehr öffnen lässt und dass sich zweitens die Jungen, als sie schliesslich über die Mauer klettern, in einer völlig fremden Welt wiederfinden, sind doch recht merkwürdig. Die Strassen und Häuser ausserhalb des Gartens sind plötzlich verschwunden, stattdessen erstrecken sich Getreidefelder bis zum Horizont, nur das bewusste Kinderheim ist noch da. Dort lebt jetzt eine Gruppe von Kindern unter dem strengen Regiment einer gewissen Frau Heinrich, welche die Kinder zu einem intensiven Lauf-Training zwingt. Aber wozu? Was ist mit den „Hohen Herren“, von denen immer wieder die Rede ist? Wer sind die weisse und die schwarze Gestalt, die im Garten herumgeistern? Wer ruht unter der Grabplatte vor dem Herrenhaus? Lässt ein mysteriöser Tee die Trinkenden alles vergessen? Gibt es im Garten tatsächlich Wölfe, wie behauptet wird? Wo sind Achim und Karl überhaupt? Und wie zum Kuckuck kommen sie wieder nach Hause?

Was als reine Fantasie-Geschichte beginnt, bekommt ganz plötzlich eine neue, historisch-politische Komponente. Die beiden Protagonisten bilden ein geradezu klassisches Duo: Achim ist der schüchterne, zurückhaltende Denker – Karl der kräftige, zupackende Mann der Tat. Ihre Beziehung zueinander wird im Laufe dieser Geschichte auf eine harte Probe gestellt. Achim will sich nicht mehr dauernd von Karl beschützen lassen und Karl will nicht mehr, dass Achim ständig für sie beide denkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.