Von Hunden und Pferden

Da wir gerade von Detektiven sprechen: Ein ganz frühes Exemplar dieser Spezies findet man bei Voltaire. Moment mal! Hat Voltaire (vergleiche Blog vom 26. September 2013) etwa Krimis geschrieben? Das nicht gerade, aber in seinem Roman Zadig erlebt das Publikum ein Kabinettsstück des detektivischen Spürsinns.

Zadig ist ein ebenso reicher wie kluger junger Mann, der in Babylon lebt. Eines Tages werden der Hund der Königin und ein Pferd aus den königlichen Stallungen vermisst. Zadig kann über die Tiere genau Auskunft geben: Es handelt sich einerseits um eine kleine Hündin mit langen Ohren, die erst kürzlich Junge bekommen hat und auf dem linken Vorderfuss hinkt. Und andererseits um ein 5 Fuss hohes Pferd mit auffallend kleinen Hufen und einem 3,5 Fuss langen Schweif. Die Buckel des Zaumzeugs sind aus Gold, die Hufeisen aus Silber. So weit, so gut. Bloss… Zadig hat keines der beiden Tiere je gesehen. Aber er hat Spuren entdeckt: Pfotenabdrücke eines kleinen Hundes, wobei beim linken Vorderfuss der Sand weniger eingedrückt ist, als bei den anderen; längliche Furchen, die nur von herabhängenden Zitzen herrühren können; herabgefallene Blätter, die aus einer Höhe von 5 Fuss stammen; Abrieb von Metall an einem Stein…

Das nenne ich Schlussfolgerungen! Sherlock Holmes hätte es kaum besser machen können.

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