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Die Krone im Tornister

von Gabriel Weber

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann – nennen wir ihn ganz einfach Karl. Karl stammt aus relativ bescheidenen Verhältnissen und beginnt seine Karriere als einfacher Soldat. Innerhalb von 24 Jahren bringt er es bis zum Marschall, dem höchsten Dienstgrad in seiner Armee. Während er noch Unteroffizier ist, ereignet sich in seiner Heimat nämlich ein politisches Erdbeben, infolgedessen die Offizierslaufbahn fortan nicht mehr den Adligen vorbehalten ist. Seine Karriere schafft Karl zum Teil im Gefolge eines anderen Militärs, der zuerst im eigenen Land die Macht übernimmt und schon wenige Jahre später den grössten Teil Europas beherrscht. Und eines Tages nimmt Karls Leben ein ganz unerwartete, geradezu märchenhafte Wendung. In einem Land im Norden wird dringend ein Thronfolger gesucht. Karls militärisches Können und seine Beziehungen zum damaligen Herrscher Europas geben den Ausschlag; der vom einfachen Soldaten zum Marschall aufgestiegene Bürgerliche wird vom Parlament des betreffenden Landes zum Thronerben gewählt und vom alten, kinderlosen König adoptiert. Acht Jahre später stirbt dann der König und Karl (der den Sturz seines einstigen Förderers dadurch überstanden hat, dass er rechtzeitig die Seite wechselte) besteigt im Alter von 55 Jahren den Thron. Es ist im wahrsten Sinn des Wortes die Krönung seiner Laufbahn.

Vom Tornister über den Marschallstab zur Königskrone – Jean Baptiste Bernadotte bzw. König Karl XIV. von Schweden und Norwegen (1763-1844) und seine Frau Desirée Clary bzw. Königin Desideria (einst die Verlobte Napoleons) begründeten eine Dynastie, die bis heute auf dem schwedischen Thron sitzt. Bürger – Marschall – König ist eine Publikation zu einer Ausstellung auf der Insel Mainau 1998.

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