Die Frau Doktor

Ein neues „wahres Märchen“:

Es war einmal eine Frau mit dem schönen Vornamen Dorothea. Sie wird 1715 in Quedlinburg als Tochter eines Arztes geboren und zeichnet sich schon früh durch auffallende Intelligenz und einen fast unstillbaren Wissensdurst aus. Ihr Vater ermöglicht ihr eine gute Ausbildung bei Privatlehrern, obwohl ihm die Gelehrsamkeit seiner Tochter etwas unheimlich ist. Die Mutter hat gar kein Verständnis dafür; wozu braucht – ihrer Auffassung nach – eine zukünftige Hausfrau schon höhere Bildung? Aber Dorothea bringt Wissenschaft und Hauswirtschaft unter einen Hut. Nachdem sie lange ihrem Vater in seiner Praxis zur Hand gegangen ist, möchte sie in Halle Medizin studieren. Zur damaligen Zeit ein unerhörter Gedanke! Doch die Quedlinburgerin hat einflussreiche Förderer; König Friedrich der Grosse höchstpersönlich gestattet Dorothea mit Königlichem Erlass vom 15. April 1741 das Studium. Der eigentliche Beginn des Studiums verzögert sich allerdings aufgrund verschiedener Umstämde. Noch vor Beginn ihrer akademischen Karriere heiratet die begabte Arzttochter einen verwitweten Pfarrer mit fünf Kindern (vier weitere Kinder werden folgen). Neben Familie und Haushalt hat die Frau Pfarrer alle Hände voll zu tun mit den vielen Kranken, die sich an sie wenden. In der Gegend ist nämlich bekannt, dass sie mehr weiss als so mancher studierter Mediziner. Das passt den örtlichen Ärzten natürlich gar nicht! Nicht-akademische Konkurrenz, noch dazu von einer Frau! Nach vielen Schwierigkeiten gelingt – nicht zuletzt auch dank der Unterstützung durch ihren Ehemann – schliesslich doch das scheinbar Unmögliche: Am 12. Juni 1754 promoviert Dorothea an der Universität Halle zum Doctor Medicinae. Endlich kann sie ihre ärztliche Tätigkeit ganz offiziell und gegen Bezahlung ausüben (bisher war das nämlich immer etwas heikel, Dorothea hätte leicht wegen „Kurpfuscherei“ angeklagt werden können). Am 13. Juni 1762 stirbt Dorothea, die erste Ärztin Deutschlands, in ihrer Heimat Quedlinburg.

Sie war eine wahre Pionierin: Dr. med. Dorothea Christiane Erxleben, geborene Leporin. In Doktorhut und Weibermütze erzählt Julia von Brencken ihre Geschichte.

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