In den Köpfen anderer Leute

Monica M. Vaughans Jugendbuch Die Spione von Myers Holt – Rache undercover ist der mittlere Teil einer Trilogie.

Christopher Lane, genannt Chris, ist zwölf Jahre alt. Des Weiteren ist er Schüler von Myers Holt, einer streng geheimen Schule in London. Dort lernen Chris und fünf Altersgenossen, mit der „Gabe“ umzugehen, einer ganzen Palette übersinnlicher Fähigkeiten, die jedes Kind zwischen dem 12. und dem 13. Geburtstag besitzt (bloss wissen die Meisten nichts davon – glücklicherweise!). Ein Bestandteil der Gabe ist zum Beispiel die Fähigkeit, in das Bewusstsein anderer Menschen einzudringen, ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen auszukundschaften. Das ist natürlich sehr praktisch, besonders für die Verbrechensbekämpfung, in der die Schüler von Myers Holt tätig sind. Alles schön und gut, aber Chris schleppt eine gewaltige Hypothek mit sich herum. Es ist noch nicht lange her, da hat er – einen Menschen getötet. Jawohl, getötet, durch seiner Gabe. Chris hat dabei zwar, wie man so schön sagt, „nur seine Pflicht getan“, aber er leidet trotzdem furchtbar darunter, sein schlechtes Gewissen lässt ihm keine Ruhe. Und dabei weiss er noch nicht einmal, dass Ernest, der Zwillingsbruder des Toten, Rachepläne schmiedet. Ernest ist übrigens auch zwölf und verfügt ebenfalls über die Gabe…

Das Buch ist psychologisch sehr interessant. Der von Schuldgefühlen gequälte Chris, seine Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes immer tiefer in Depressionen versinkt, und nicht zuletzt der faszinierend vielseitige Schurke Ernest, der schlicht und einfach mehr gelitten hat, als er ertragen konnte… Besonders originell sind die Sequenzen, in denen erzählt wird, wie es im Bewusstsein eines Menschen aussieht.

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