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Archiv vom 13. März 2018

13. März 2018

Herr Dante hatte Ideen

by Gabriel Weber

Die Divina Commedia, die Göttliche Komödie von Dante Alighieri gehört zu den Meisterwerken der europäischen Literaturgeschichte. Sie steht aber auch im Zentrum des Thrillers Der Dante Club von Matthew Pearl.

Boston, 1865: Eine Gruppe von Gelehrten (eben der Dante Club), nämlich der Dichter Henry Wadsworth Longfellow, der Mediziner Oliver Wendell Holmes, der Harvard-Professor James Russell Lowell, der Geistliche George Washington Greene und der Verleger J. T. Fields arbeitet an einem ambitionierten Projekt, der ersten Übersetzung der Divina Commedia für das amerikanische Publikum. Doch zur gleichen Zeit geschehen drei rätselhafte Morde – und die Herren Professoren stellen eine überraschende Tatsache fest. Der Mörder orientiert sich offenbar an Dantes Inferno, seine Untaten entsprechen jedenfalls bis ins Detail den Höllenqualen, die der italienische Dichter in seinem epochalen Werk beschreibt. Aber wie ist das möglich? Ausser Longfellow und seinen Mitstreitern hat doch bisher kaum ein Mensch in Boston je Dante gelesen! Der Club steckt in einer Zwickmühle. Wenn er seine Entdeckung der Polizei meldet, geraten womöglich seine Mitglieder in Verdacht, ausserdem ist es dann vermutlich Essig mit der Übersetzung. Aber einfach ignorieren kann man die Tatsachen auch nicht, immerhin stehen Menschenleben auf dem Spiel. Da gibt es nur eines: Den Mund halten und versuchen, den Fall selber aufzuklären. Um letzteres bemüht sich auch Nicholas Rey, der erste dunkelhäutige Polizeibeamte Bostons. In dieser Eigenschaft hat er dem weissen Establishment etwas zu beweisen. Ferner gibt es da noch einen unbekannten Mann, der sich auf der Polizeiwache aus dem Fenster in den Tod stürzt – und kurz zuvor noch einige Verse von Dante zitiert. Ein Zufall? Wohl kaum…

Ein Serienmörder, ein Literaturklassiker, die versnobte Politik der Universität Harvard und dazu die Geistesgrössen mit ihrem komplizierten Innenleben – das kann ja heiter werden! Aber Vorsicht: Die Leichenfund-Szenen sind nichts für schwache Nerven. Dieser Herr Dante muss eine reichlich verdrehte Fantasie gehabt haben.