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Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd‘

von Gabriel Weber

Lesen Sie gerne Heimatromane? So richtig schwülstig-romantischen bayrischen oder österreichischen Alpen-Kitsch? Nein? Dann ist Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman von Petra Piuk genau das Richtige für Sie.

Schöngraben an der Rauscher ist ein Dorf wie aus einem Heimatroman (Kunststück!). Idyllische Gegend, gute Luft, nette Einwohner. Und Liebe, wohin man blickt: Liebe zwischen Mann und Frau (auch wenn sie manchmal nicht gegenseitig ist, besonders seitens der Frau), Liebe zu den Kindern (so eine „Watschn“ dann und wann hat früheren Generationen ja schliesslich auch nicht geschadet), Liebe zu den Tieren (ein Bauer im Stall mit heruntergelassener Hose, ähm…), Liebe zur Tradition (gelebt wird gefälligst nach alter Väter Sitte und nicht anders), Liebe zum Alkohol (Prost!), Liebe zur Familie (Zusammenhalt und guter Ruf, was auch passiert) und Liebe zur Heimat (Leute von jenseits der Dorfgrenze brauchen wir nicht und Stadtmenschen schon gar nicht). Die einzige Liebe, die nicht vorkommt (bzw. schon vorkommt, aber nicht geduldet wird), ist jene zum eigenen Geschlecht.

Der Toni und die Moni kennen sich schon von klein auf. Inzwischen sind sie fast erwachsen und haben sich sogar schon einmal geküsst! Nach den Heimatroman-Gesetzen müssten jetzt eigentlich die Hochzeitsglocken bimmeln bzw. Sturm läuten – wäre da nicht Tonis Grosscousine aus der Stadt. Diese Grosscousine ist eine einzige Provokation und nur ihretwegen ist der ganze ordnungsgemässe Handlungsablauf im Eimer. Sie wohnt, wie gesagt, in der Stadt; sie ist unverheiratet, kinderlos und berufstätig; sie trinkt keinen Alkohol; sie isst kein Fleisch (ausgerechnet in einer Gegend, wo man seine zukünftigen Schnitzel und Spanferkel noch persönlich kennt); und sie stellt zu viele Fragen. Es gibt da nämlich einen dunklen Punkt in der Familiengeschichte… In Schöngraben weiss jedoch jedes Kind: Über gewisse Dinge spricht man nicht – und erst recht nicht mit einer Aussenstehenden!

Petra Piuk führt die Dirndl-und-Lederhosen-Romantik ad absurdum – satirisch, makaber und urkomisch.

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