Anfang und Ende

Mit Footlights – Rampenlicht hat David Robinson eine wahre Kostbarkeit aus dem Nachlass von Charlie Chaplin zugänglich gemacht. Es handelt sich um einen Roman, den Chaplin 1947 verfasste und der seinen Film Limelight gewissermassen vorwegnimmt.

Calvero, einst ein berühmter Clown, hat den Zenit seiner Karriere längst überschritten. In Vergessenheit geraten und dem Alkohol verfallen (Betrunkene zu spielen war Chaplins Spezialität), schleppt er sich durchs Leben, bis er eines Tages die junge Tänzerin Terry vor dem Suizid bewahrt. Dadurch, dass er Terry aufpäppelt und ermutigt, wieder zu tanzen, findet auch Calvero wieder neuen Lebensmut. Neben dem Roman enthält das Buch auch eine ausführliche Dokumentation über Chaplins Arbeitsweise und darüber, wie aus einer ersten Idee nach vielen Jahren schliesslich der Film Limelight entstand – man wirft sozusagen einen Blick in die Werkstatt des Genies. Footlights ruhte lange vergessen in Corsier-sur-Vevey, auf Chaplins herrschaftlichem Anwesen, das heute ein äusserst lohnenswertes Museum ist: Chaplin’s World.

Limelight war für Charlie Chaplin Anfang und Ende zugleich. Der Abschied von Hollywood (auch wenn es nicht sein letzter Film überhaupt war) war gleichzeitig eine Rückbesinnung auf die Londoner Music Halls und Varietés, in denen seine Karriere einst begonnen hatte und in denen seinerzeit schon seine Eltern aufgetreten waren. Das autobiographische Element zeigt sich auch dadurch, dass der ehemalige Tramp hier zum ersten Mal überhaupt ohne Make-Up auftritt. Chaplin beschäftigt in dem Film diverse Familienmitglieder (von seinen Kindern aus zweiter und vierter Ehe bis zu seinem Halbbruder Wheeler Dryden) und hat ausserdem seinen einzigen gemeinsamen Auftritt mit einer anderen Stummfilm-Legende: Buster Keaton.

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