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Archiv vom Februar, 2018

27. Februar 2018

Schtärnefoifi!

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, die Sternwarte Urania in Zürich zu besuchen. Es lohnt sich! Die Sternwarte wurde zwar vor über 100 Jahren eingerichtet, aber die Apparaturen, das Fernrohr, gefertigt von der Firma Carl Zeiss in Jena, die Kuppel (die von Hand geöffnet wird) usw., sind immer noch original und funktionieren bestens.

Einiges weiss man ja heutzutage. Die Erde schwebt frei im Weltall und dreht sich, wie die anderen Planeten auch, um die Sonne. Die Sonne ihrerseits ist lediglich einer von unzähligen Sternen im Universum. Die Beschäftigung mit dem Sternenhimmel ist eine günstige Gelegenheit, mit (im wahrsten Sinne des Wortes) astronomischen Zahlen um sich zu werfen: Die Sonne ist so schwer wie 324 000 Erden! Der Mond bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 1017 Metern pro Sekunde! Auf dem Saturn dauert das Jahr 25 000 Tage! Ein Eisenbahnzug mit 60 km/h wäre bis zur Sonne 266 Jahre und bis zum nächsten Stern 73 Millionen Jahre unterwegs! Der Saturn mit seinem berühmten Ring war lange Zeit der am weitesten entfernte bekannte Planet und ist ausserdem der letzte, von dem aus man die Erde noch sehen kann.

Die Himmelskörper und ihre Bewegungen waren schon immer von Bedeutung. Unsere ganzes Zeit-System beruht auf ihnen. Die Geschichte der Schifffahrt wäre ohne Sterne ganz anders verlaufen. Und kaum ein Naturereignis versetzte die Menschen früher mehr in Angst und Schrecken als eine Sonnenfinsternis. Das Buch Himmelskunde für das Volk von Camille Flammarion dürfte ungefähr gleich alt sein wie die Sternwarte Urania, aber was drinsteht, stimmt immer noch (die Sonnenfinsternis von 1999 zum Beispiel wird akkurat vorausgesagt).

22. Februar 2018

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind…

Heute, geschätztes Publikum, befassen wir uns mit einem ganz alltäglichen Thema, das seltsamerweise oft tabuisiert wird: dem Furzen. Das ist Ihnen auch schon ein- oder zweimal passiert, geben Sie es zu!

Wer denkt, ein Furz sei einfach ein Furz, der irrt sich gewaltig! Die „Darmstädter“, vermutlich von Adam persönlich erfunden, können nämlich cognito (mit Vorankündigung) oder incognito (ganz überraschend) auftreten. Ferner muss mit Gefolge und ohne Gefolge (also Geruchs-Emissionen) unterschieden werden. Da gibt es beispielsweise den Darmstädter cognito ohne Gefolge (vapor tonans communis). Er ist harmlos, aber laut. Obwohl er manchmal eine ausgesprochene musikalische Begabung verrät (besonders unterstrichen durch die Resonanz der Hose), sollte man ihn in Gesellschaft besser unterlassen – viele Leute haben da Vorurteile. Der Genuss von Hülsenfrüchten begünstigt den Darmstädter incognito mit Gefolge (vapor perfide odoratus). Will man sich in einer Menschenmenge mehr Platz verschaffen, bietet sich der Circusfurz (vapor circensis maximus) an, natürlich mit möglichst viel Gefolge. Der untergeschobene Furz (vapor adoptivus) wird ungerechterweise dem Hund oder dem Diener oder dem Nachbarn zugeschrieben. Am schlimmsten ist zweifellos der Furz mit Sauce (vapor succulentus), der… Na, da wollen wir jetzt lieber nicht ins Detail gehen.

Die Historia Naturalis Vaporum, die Naturgeschichte der Fürze, ist jetzt bei buchplanet.ch erhältlich.

20. Februar 2018

Da muss etwas los sein!

Wenn Sie einmal so richtigen literarischen Nonsens lesen wollen, dann empfehle ich Ihnen den Text Auguste Bolte von Kurt Schwitters (1887-1948) – absurd und witzig zugleich.

Auguste Bolte sieht eines Tages auf der Strasse 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Menschen, die alle zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung gehen. Sie kombiniert sofort: Da muss etwas los sein! Und marschiert hintendrein. Doch an der nächsten Strassenecke teilt sich die Gruppe – 5 gehen nach links und 5 nach rechts. Was tun? Wo ist denn nun etwas los, links oder rechts? Auguste rennt zunächst eine Weile hinter den einen 5 her, macht dann kehrt, um wieder zur Ecke zurück zu rennen und eine Weile den anderen 5 zu folgen, bevor sie wiederum wendet. Unterwegs wirft Auguste fleissig Ballast ab, bis sie schliesslich nur noch im Unterrock herumläuft bzw. herumrennt. Doch spätestens zu dem Zeitpunkt, als die beiden Fünfergruppen sich wiederum aufteilen, hat diese Methode längerfristig keine Zukunft mehr. Deshalb beschäftigt Auguste sich jetzt mit einer einzelnen jungen Dame, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die Gruppe verlassen und ein Haus betreten hat, ausgerechnet ein Haus mit der Hausnummer 5. Aber wo ist diese junge Dame jetzt? Auguste kennt kein Erbarmen. Gnadenlos klingelt sie in Nr. 5 an jeder einzelnen Wohnungstür, an manchen sogar mehrmals. Besonders Frau Alma Schulz, Witwe eines Dörrpflaumen-Produzenten, wird durch Augustes Forschungsdrang bis zum Nervenzusammenbruch getrieben.

Warum tut Auguste das alles? Weil sie wissen will, was läuft. Weil sie schon in der Schule ein gescheites Mädchen war. Und weil sie an der Hochschule des Lebens den Doktortitel erwerben möchte – Dr. leb. Auguste Bolte!

15. Februar 2018

Der Gustav, der Walter und der Franz

Es gibt wieder einmal ein „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Fräulein Schindler (ich weiss, das ist politisch unkorrekt, aber damals sagte man es eben so). Dieses Fräulein Schindler erblickt am 31. August 1879 in Wien das Licht der Welt. Ihr Vater ist ein bekannter und erfolgreicher Kunstmaler, der stirbt, als seine Tochter 13 Jahre alt ist. Der spätere Stiefvater ist ebenfalls Maler. 1902 heiratet Fräulein Schindler den Direktor der K. K. Hofoper, der heutigen Wiener Staatsoper. Mit ihm führt sie eine turbulente Ehe – und bringt nebenbei zwei Kinder zur Welt. Mit 32 Jahren ist die geborene Schindler zum ersten Mal Witwe, eine prominente Witwe, die „Witwe eines grossen Mannes“; eine Rolle ganz nach ihrem Geschmack. Trotzdem dauert es nicht lange, bis ein neuer Mann in ihr Leben tritt, ein höchst umstrittener Maler. Was folgt, ist eine leidenschaftliche, geradezu filmreife Affäre. Als nächstes kommt ein berühmter Architekt. Die Witwe heiratet ihn 1915 in Berlin, während er Sonderurlaub hat; anschliessend muss er wieder zurück an die Front. Die Ehe hält nicht besonders lange. Schon bald beginnt Madame eine Affäre mit einem Mann, der, nach der Scheidung vom zweiten, 1929 ihr dritter und letzter Gatte wird. Dieses Mal ist es ein Schriftsteller. Sie begleitet ihn, als er während des Zweiten Weltkriegs nach Amerika emigriert. Am 11. Dezember 1964 stirbt die Schindler, seit 1945 erneut verwitwet, in New York.

Im letzten Abschnitt ihres Lebens hiess das einstige Fräulein Schindler Alma Mahler-Werfel. Gustav Mahler, Walter Gropius, Franz Werfel, Oskar Kokoschka, Bruno Walter, Hans Pfitzner, Arnold Schönberg, Gustav Klimt, Gerhart Hauptmann, Alban Berg – die Liste der Künstler, die Alma über den Weg liefen, ist fast endlos. Doch sie war nicht nur die ewige Gattin, Geliebte und Witwe, sondern ausserdem auch eine starke, vielseitig begabte Frau. Jetzt bei buchplanet.ch: Alma von Berndt W. Weissling und Alma Mahler oder die Kunst, geliebt zu werden von Françoise Giroud.

13. Februar 2018

Nur nicht aus Liebe weinen

Ich kann Teenager-Romane nicht ausstehen. Nicht nur, weil ich inzwischen ein bisschen zu alt dafür bin. Aber man sollte für alles offen sein und manchmal sind solche Schmalz-Ergüsse (absichtlich oder unabsichtlich) doch ganz ulkig. Zum Beispiel Flames ’n‘ Roses von Kiersten White.

Evelyn, genannt Evie, ist ein ganz normales Mädchen. Mit drei kleinen Ausnahmen. Erstens: Ihre beste Freundin ist eine Meerjungfrau; zweitens: ihr Exfreund, der ihr immer noch sehr an ihr hängt, ist eine männliche Fee; und drittens: sie arbeitet schon seit Jahren für die IBKP, die Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler.  Das heisst, sie lebt in der streng geheimen IBKP-Zentrale und reist in der Welt herum, um Vampire, Werwölfe, Zombies und ähnliches Gelichter unschädlich zu machen. Jawohl, die gibt es nämlich wirklich! Dass die meisten Menschen das nicht wissen, liegt daran, dass diese Wesen sich normalerweise tarnen, um nicht aufzufallen. Evie hat jedoch die besondere Fähigkeit, jede solche Tarnung zu durchschauen, dadurch ist sie zu ihrem Beruf gekommen. So etwas wie ein „normales“ Leben hat sie nicht, ihr gesamtes Wissen in dieser Richtung bezieht sie aus Fernsehserien. Jetzt lernt Evie endlich einen Gleichaltrigen kennen, einen Burschen namens Lend. Und wie nicht anders zu erwarten, hat auch dieser eine ausgesprochen paranormale Eigenschaft – er kann jede beliebige Gestalt annehmen. Bald geht alles drunter und drüber. Evie ist zum ersten Mal verliebt (immerhin kann Lend so attraktiv und sexy aussehen, wie er will. Praktisch, was? Aber im Original gefällt er Evie am besten), doch die Hormon-Krise ist momentan ihr kleinstes Problem. Schlimmer ist, dass die IBKP angegriffen wird und Evie plötzlich so ziemlich alles hinterfragen muss, was sie je über sich selbst zu wissen glaubte.

Der Zusammenstoss der ach so „normalen“ Realität mit dem Übernatürlichen – ein fast unerschöpfliches Thema, das mich immer wieder fasziniert (und zwar viel mehr als die romantische Schnulze!).

8. Februar 2018

Die anderen Sherlocks

Haben Sie gedacht, Sherlock Holmes sei der einzige Krimi-Detektiv im viktorianischen London? Weit gefehlt! Einige seiner weniger bekannten Kollegen kann man bei buchplanet.ch kennen lernen.

Da gibt es zum Beispiel einen gewissen Doktor John Thorndyke. Dieser, der Feder von Richard Austin Freeman (1862-1943) entstammend, scheint in der Tat ein Verwandter jenes Meisterdetektivs aus der Baker Street zu sein. Ein alter Junggeselle, der ein beneidenswertes Talent für logische Schlussfolgerungen besitzt, sich mit chemischen Experimenten auskennt – und stets einen etwas depperten Mitarbeiter bei sich hat, dem er alles erklären muss. Der Detektiv Max Carrados, kreiert von Ernest Bramah (1869-1942), ist blind. Die Geschichte Der rätselhafte Tod in der Stadtbahn, verfasst von der ungarischen Baronin Emmuska Orczy (1865-1947), ist recht ungewöhnlich: Ein namenloser alter Mann sitzt in einer Teestube und erzählt einer ihm völlig unbekannten jungen Dame namens Polly den ganzen Fall mitsamt der Lösung, setzt dann den Hut auf und geht, die Dame namens Polly verblüfft zurücklassend. Mehr eine Grusel- als eine Kriminalgeschichte im eigentlichen Sinn ist Das Geisterpferd von William Hope Hodgson (1877-1918). Eine alte Familien-Legende scheint sich plötzlich zu bewahrheiten, als eine junge Dame sich von einem unsichtbaren Pferd verfolgt fühlt…

Sir Hugh Greene hat in Die Rivalen des Sherlock Holmes viktorianische Detektivgeschichten gesammelt.

6. Februar 2018

Wissen Sie es?

Sind Sie möglicherweise ein Superhirn und wissen es gar nicht? Mit dem Buch Genierätsel von Abbie Salny und Marvin Grosswirth können Sie das leicht feststellen.

Das Buch enthält Rätsel und Quizfragen aus der Werkstatt von Mensa, einem Verein von Leuten mit besonders hoher Intelligenz. Einige Kostproben gefällig? „Unter welchem Namen ist François Marie Arouet besser bekannt?“ (Voltaire), „Was misst ein Dolorimeter?“ (Schmerzen), „Wenn Sie im Restaurant ein Gericht bestellen, das ‚Florentiner‘ im Namen hat, welche Zutat können Sie darin erwarten?“ (Spinat). Es gibt jedoch nicht nur reine Wissensfragen, sondern auch mathematische Knobeleien: „Welche Zahl der folgenden Reihe hat am wenigsten mit den anderen gemeinsam? 1, 3, 5, 7, 11, 13, 15“ (15 ist keine Primzahl), Logikrätsel: „Vier Paare gehen zusammen ins Kino. In jeder Reihe sind acht Plätze. Betty und Jim wollen nicht neben Alice und Tom sitzen, Alice und Tom nicht neben Gertrude und Bill, Sally und Bob nicht neben Betty und Jim. Wie können sich die Paare arrangieren?“ (Alice, Tom, Sally, Bob, Gertrude, Bill, Betty, Jim bzw. umgekehrt) und, nicht zu vergessen, auch Scherzfragen: „Was war am 6. Dezember 1854?“ (Samichlaus).

Keine Sorge: Hinten im Buch stehen die Lösungen. Und man kann (ganz besonders wohltuend!) auch nachlesen, wie viele Mensa-Mitglieder die jeweilige Frage nicht richtig beantworten konnten.

1. Februar 2018

Die Macht der Sprache

Moby Dick (Blog vom 30. Januar 2018) spielt auch in einem Jugendbuch von Michael Gerard Bauer eine wichtige Rolle. Das sieht man schon am Titel: Nennt mich nicht Ismael!

Der vierzehnjährige Ismael Leseur leidet unter seinem Namen. Seine Eltern sind grosse Fans von Herman Melville und seinem berühmten Roman Moby Dick, deshalb haben sie ihren Sohn Ismael genannt – ausgerechnet! Ständig wird Ismael in der Schule wegen seines Namens gehänselt, besonders der Klassentyrann Barry Bagsley hat ihn zu seinem Lieblingsopfer erkoren. Ismael duckt sich, zieht den Kopf ein und versucht, den Terror zu ertragen – bis eines Tages ein Neuling in die Klasse kommt: James Scobie. Dieser kuriose Kauz setzt Barry und seine Clique im Handumdrehen schachmatt. Nicht durch Gewalt, sondern durch sprachliche Gewandheit und die Tatsache, dass er (nach eigener Aussage) gar keine Angst empfinden kann, selbst wenn er wollte. Ismael ist sehr beeindruckt. Allerdings fällt ihm das Herz in die Hose, als Scobie an der Schule einen Debattierklub gründet und ausgerechnet ihn, Ismael Leseur, unbedingt mit ins Boot holen will. Vor einem Publikum zu sprechen ist nämlich so ziemlich das Schlimmste, was es für den armen Ismael gibt. Aber wenn er beim Debattieren nicht mitgemacht hätte, dann wäre er Kelly Faulkner nicht begegnet und das wäre doch wirklich schade…

In diesem Buch kann man viel über die Kraft der Sprache lernen und darüber, wie man damit rohe Gewalt besiegen kann. Ein weiterer interessanter Punkt ist das Geheimnis von James Scobies Furchtlosigkeit. Ach, übrigens: Ismael ist eigentlich ein sehr hübscher Name, finde ich.