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Der magnetische Doktor

von Gabriel Weber

Das erste „wahre Märchen“ des neuen Jahres:

Es war einmal ein Mann, der 1734 in Iznang zur Welt kommt (das liegt in der Gegend von Radolfzell, nicht weit von der Schweizer Grenze entfernt). Der Sohn eines fürstbischöflich-konstänzischen Jagdaufsehers studiert in Ingolstadt und Wien zunächst Theologie, dann Medizin und promoviert 1766. Im Stephansdom heiratet der süddeutsche Arzt am 10. Januar 1768 Anna Maria von Bosch, eine der reichsten Frauen Wiens. Einige Jahre lang arbeitet er als gewöhnlicher Schulmediziner, dann jedoch entwickelt er eine eigene medizinische Theorie, den „animalischen Magnetismus“. Genau zu explizieren, was das ist, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen; es hat jedenfalls etwas mit Magneten, Elektrizität und Wasser zu tun. Die Fachwelt mit ihren Aderlässen und ähnlichen Methoden ist zwar entsetzt, aber die Patienten strömen in Scharen herbei. Der Entdecker dieses „Universalheilmittels“ kann einige aufsehenerregende Erfolge verbuchen (was sein Selbstbewusstsein beträchtlich ankurbelt). Doch die Feindschaft der Herren Kollegen ist zu gross, deshalb zieht der Doktor 1778 nach Paris. Sein Erfolg ist sensationell, die ganze vornehme Gesellschaft geht bei ihm ein und aus (man bietet ihm sogar Geld dafür, dass er nicht wegzieht), die ersehnte Anerkennung der Ärzteschaft hingegen erreicht er auch dort nicht. Zur Zeit der Französischen Revolution ist der Doktor wieder in Wien, wird vorübergehend verhaftet (er betätigt sich nämlich auch politisch) und kehrt, aus Österreich ausgewiesen, in die Bodenseeregion zurück. Eine Weile lebt er in Wagenhausen bei Stein am Rhein, zeitweise auch in Frauenfeld, zuletzt in Meersburg, wo er am 5. März 1815 stirbt.

Er machte Furore und wurde zur Legende: Franz Anton Mesmer. Ganz Europa sprach seinerzeit von ihm. Der Spiritismus wurde ebenso von ihm beeinflusst wie die Psychoanalyse und die Hypnose. Übrigens war Mesmer auch sehr musikalisch, spielte mehrere Instrumente und zählte, besonders in Wien, zahlreiche Künstler zu seinem Freundeskreis. Ernst Florey verfolgt in Ars Magnetica den Werdegang des „Magiers vom Bodensee“.

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