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Archiv vom 21. Dezember 2017

21. Dezember 2017

Die Fantasie macht sich selbständig

by Gabriel Weber

Ein Autor kann mit seiner Fantasie ganze Welten erschaffen. Doch was passiert, wenn sich das Erdachte plötzlich verselbständigt? Diese Erfahrung macht das Publikum in dem Buch Das Volk von Tarkaan von Pierdomenico Baccalario.

Antonello kann Bücher nicht ausstehen. In diesem speziellen Fall ist das ausnahmsweise ein Glück. Anlässlich eines Faschingsfestes der Pfadfinder in seinem Dorf wird die berühmte Fantasy-Autorin Apollonia J. Brennan zu einer Autorenlesung erwartet. Doch die Brennan taucht nicht auf, dafür zwei seltsame Fremde – und plötzlich sind alle Kinder, die zu der Lesung erschienen sind (insgesamt 28 Stück), spurlos verschwunden. Antonello, der sich glücklicherweise vor dem Anlass gedrückt hat, muss etwas unternehmen. Aber was? Er braucht Hilfe, und zwar von Leuten, die viel lesen. Übrigens ist das Verschwinden der örtlichen Schuljugend nicht das einzige merkwürdige Ereignis an diesem Tag.

Die kostümierten Kinder wissen zuerst gar nicht, wie ihnen geschieht. Zwei bewaffnete Ungetüme, sogenannte Kolosse, schleppen sie durch eine Höhle in eine andere Welt – exakt jene Welt, die Apollonia J. Brennan in ihren Büchern kreiert hat: Tarkaan. Aber das kann doch gar nicht sein! (Oder doch?) In der „Verborgenen Stadt“ werden die Kinder eingesperrt. Die Entführten gehen mit der Situation ganz unterschiedlich um: Einige jammern verzweifelt, andere sind von diesem einmaligen Erlebnis begeistert (davon hat doch jeder Fantasy-Leser und jede Fantasy-Leserin schon einmal geträumt). Mariano, genannt Houdini, kann zwar den Kolossen entwischen, sitzt aber trotzdem immer noch in dieser fremden Welt fest. Giacomo, der Brennans Bücher genau gelesen hat und so ziemlich alles über Tarkaan und seine Einwohner weiss, versteht diese Kenntnisse zu nutzen. Ihm gefällt es bei den Kolossen viel besser als zuhause; Durch sein Wissen eröffnen sich ihm hier ungeahnte Möglichkeiten. Und vielleicht kann er sogar Raffaella, das hübscheste Mädchen in der Klasse, für sich erobern.

Eine wunderbare, humorvolle Hommage an die Fantasy-Literatur – und an die Fantasie überhaupt.