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Der dunkle Stern

von Gabriel Weber

Es ist wieder einmal ein „wahres Märchen“ fällig.

Es war einmal ein Mann, um dessen Leben sich viele Legenden ranken. Sein Geburtsdatum und sein Geburtsort sind nicht genau bekannt, auch die fürstliche Abstammung, die man ihm später oft nachsagt, ist höchst ungewiss. Jedenfalls gelangt der „Mohr“ (wie seine Zeitgenossen sagen, auch wenn es heute nicht mehr politisch korrekt ist) zu Beginn des 18. Jahrhunderts im zarten Alter von etwa acht oder neun Jahren als Sklave aus Konstantinopel nach Moskau, an den Hof Peters des Grossen. Der Zar findet Gefallen an dem klugen kleinen Afrikaner, lässt ihn taufen und sorgt für seine Ausbildung. Der „Mohr des Zaren“ wird sogar Peters ganz besonderer Liebling und begleitet ihn oft auf seinen Feldzügen. Damit ist seine Karriere schon klar geplant: Bei seiner Verabschiedung aus dem Militär unter Peter III. wird der einstige Sklave hochdekorierter General sein und mehr als 50 Dienstjahre unter sieben russischen Monarchen auf dem Buckel haben. Doch er ist nicht nur Offizier, sondern auch Grundbesitzer (ein ehemaliger Sklave mit Leibeigenen), Diplomat, Salonlöwe und Intellektueller von europäischem Ruf – dennoch existiert anscheinend kein einziges wirklich authentisches Porträt von ihm. Voltaire und andere Geistesgrössen kennen und schätzen ihn. Für viele Leute im Zeitalter der Aufklärung ist dieser erfolgreiche, intelligente, gebildete „Mohr“ der lebende Beweis dafür, dass die Schwarzen keineswegs minderwertig sind, trotzdem hat er immer wieder mit rassistischen Vorurteilen zu kämpfen. Der „dunkle Stern der Aufklärung“, der „russische Othello“, das Patenkind des grossen Peter stirbt 1781. Er ist übrigens zweimal verheiratet und hinterlässt mehrere Kinder.

In der Geschichte kennt man ihn als Abram Petrowitsch Gannibal, was offenbar nicht zufällig sowohl an Hannibal als auch an Kannibale erinnert. Ein Urenkel von ihm ist der berühmte Dichter Alexander Sergejewitsch Puschkin, der sich eingehend mit seinem rätselhaften Vorfahren befasst hat. Jetzt bei buchplanet.ch: Der Mohr des Zaren von Hugh Barnes.

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