Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Jetzt haben wir den Salat!

von Gabriel Weber

Das könnte der Gemüsehändler Jérôme Crainquebille gedacht haben. Er ist der „Held“ der Erzählung Kleiner Mann vor Gericht (L’Affaire Crainquebille) von Anatole France.

Jérôme Crainquebille ist ein braver, rechtschaffener älterer Mann. Als er eines Tages wieder einmal mit seinem Karren in den Strassen von Paris unterwegs ist und sein Gemüse verkauft, gerät er (eigentlich ohne Schuld, mehr durch einen unglücklichen Zufall) mit einem Polizisten aneinander – der ihn prompt auf die Polizeiwache schleppt. Nach einigen Tagen im Gefängnis wird Crainquebille dann wegen Beamtenbeleidigung vor Gericht gestellt. Obwohl der Gemüsehändler die ihm zur Last gelegten beleidigenden Worte gar nicht gesagt hat und dies auch von einem Zeugen bestätigt wird, lautet das Urteil: 14 Tage Gefängnis und 50 Francs Busse. Nicht besonders viel, könnte man meinen. Aber die längerfristigen Folgen sind dramatisch…

Der sture, engstirnige Polizist; der mit der Situation völlig überforderte Angeklagte, der irgendwann selber glaubt, was man ihm vorwirft – und insbesondere Gerichtspräsident Bourriche, nach dessen Ansicht die Polizei per se immer Recht haben muss, gar nicht Unrecht haben darf, weil sonst nämlich das ganze Staatsgefüge ins Wanken geraten würde… Anatole France beschreibt das französische Justizsystem (vermutlich unter dem Einfluss des Dreyfus-Prozesses, die Erzählung erschien erstmals 1901) ziemlich bitter und mit einer grossen Portion Galgenhumor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.