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Herr Lukanga aus Kitara

von Gabriel Weber

Hans Paasche, ein deutscher Offizier, trotzdem bekennender Pazifist und Antimilitarist, schrieb 1912 die fiktiven Briefe eines afrikanischen Forschungsreisenden, der seinem König über seinen Aufenthalt in Deutschland Bericht erstattet. Damit hielt Paasche seinen Landsleuten sozialkritisch den Spiegel vor.

Im fernen Deutschland bezahlt man nicht mir Rindern, Ziegen oder ähnlichen nützlichen Dingen, sondern mit Metall und Papier. Und das Papier ist auch noch wertvoller als das Metall! Die Luft ist grässlich, trotzdem halten sich die Eingeborenen mit Vorliebe in geschlossenen Räumen auf, wo die Luft noch schlechter ist. Die Menschen haben es immer eilig, sind Sklaven der Arbeit, ohne die sie sich wertlos fühlen, und wer etwas gelten will, muss erstens viel Geld haben und sich zweitens mit völlig unnötigen Dingen umgeben. Jeder Mann trägt einen Hut, selbst wenn ihm deswegen die Haare ausgehen. Wenn das passiert, gibt er lieber viel Geld für künstliche Abhilfe aus, als auf seinen Deckel zu verzichten. Überhaupt ist die Bekleidung in Deutschland ein Witz. Stehkragen und Korsett – sowohl unnötig als auch unbequem. Narben von Säbelhieben mitten im Gesicht gelten bei Männern als besonders schmückend. Es wird ein unverhältnismässiger Aufwand betreiben, um Eisenbahnen zu bauen – nur damit einige Leute den Weg von A nach B noch schneller zurücklegen können. Am Geburtstag ihres Königs kommen die Deutschen zusammen, um zu saufen, und wer auch nur halbwegs nüchtern bleibt, gilt als Verräter – dabei erweisen sie ihrem König eigentlich einen Bärendienst, bieten sie doch gerade dadurch dem Feind die beste Gelegenheit für einen Angriff! Ausserdem bezeichnen die Deutschen alles, was sie haben, sind und tun, als „Kultur“ und glauben, alle anderen Menschen wollten diese „Kultur“ unbedingt auch haben. Sich selber halten sie für die Besten und die Grössten.

Der Autor von Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland (jetzt bei buchplanet.ch erhältlich) wurde seiner Gesinnung wegen 1920 von Rechtsextremen ermordet.

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