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Archiv vom 5. Oktober 2017

5. Oktober 2017

Ich bin die fesche Lola

by Gabriel Weber

Wieder einmal ein „wahres Märchen“:

Es war einmal eine Frau, die (wahrscheinlich) 1820 in Schottland geboren wurde. Sie wird Eliza Rosanna getauft, doch heisst sie nun Oliverez wie ihre ledige Mutter, eine Kreolin? Oder Gilbert wie ihr Vater, ein schottischer Offizier, der sie halbherzig anerkannt hat? Wie auch immer, jedenfalls verläuft Elizas Leben zunächst einigermassen gradlinig; Mädchenpensionat, dann Heirat mit dem Offizier Thomas James. Doch er ist nicht der Einzige – Eliza ist schön, charmant, bezaubernd, die Herren fliegen auf sie. Aber sie ist auch emanzipiert und weiss sich gegen Männer durchzusetzen. Schliesslich verlässt sie ihren Ehemann, legt sich einen neuen Namen zu, gibt sich als Spanierin aus und macht Karriere als Tänzerin. Nach einer ganze Serie von Affären (zum Beispiel mit Franz Liszt) wird, anlässlich eines Auftrittes in München, der König von Bayern auf Eliza aufmerksam und verliebt sich in sie. Bis über beide Ohren. So wird Mrs. James eine der letzten Vertreterinnen einer aussterbenden Spezies: maitresse en titre, die gewissermassen „offizielle“ Geliebte eines Monarchen. Welch ein Skandal! Der verheiratete König des katholisch-konservativen Bayern geht ganz offen eine Liaison ein mit einer Ausländerin von derart zweifelhaftem Ruf, überschüttet sie mit Aufmerksamkeiten, ja erhebt sie sogar in den Adelsstand! Wie die meisten Mätressen hat die nunmehrige Gräfin von Landsfeld viele Gegner, ob nun aus moralischen oder aus politischen Gründen. Als 1848 überall in Europa die Revolution ausbricht, ist in Bayern Eliza der entscheidende Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt; der König muss abdanken, Eliza verlässt das Land (übrigens ein filmreifer Abgang). Sie tanzt wieder, heiratet wieder und stirbt 1862 in Amerika. Was bleibt, ist die Legende von der femme fatale, die einen König den Thron kostete.

Nicht als Eliza Rosanna Gilbert bzw. Oliverez ist sie berühmt geworden, sondern als Lola Montez. So lautet auch der Titel der Romanbiografie, die Marianne Wintersteiner verfasst hat.