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Blaue Mützen und elf Tote

von Gabriel Weber

Hach, was gibt es schöneres als den Gesang von Knabenchören! Soprane und Alte, noch ungefährdet vom Stimmbruch, wahre Engelsstimmen… Neben den Sängerknaben aus Wien (Blog vom 20. Februar 2014), den Thomanern aus Leipzig und den Domspatzen aus Regensburg sind im deutschsprachigen Raum vor allem die „Kruzianer“ zu nennen, die Mitglieder des Kreuzchors aus Dresden.

Alles begann mit einer Reliquie – einem Holzsplitter, der angeblich vom Kreuz Christi stammte. Dafür wurde im 13. Jahrhundert an die Nikolaikirche eine Kreuzkapelle (Capella Sanctae Crucis) angebaut. Dies war der Ursprung von Kreuzkirche, -schule und -chor. Bereits im 14. Jahrhundert existierte in Dresden eine Schule, deren Schüler regelmässig bei kirchlichen Feierlichkeiten den Chor stellten – besonders eben in der Kreuzkirche, die nach mehreren Umbauten aus der Nikolaikirche mit der Kreuzkapelle hervorgegangen war. Die Einführung der Reformation in der sächsischen Hauptstadt im Jahre 1539 war ein wichtiger Wendepunkt in der Chorgeschichte. Auch während des Ersten Weltkriegs führte der Kreuzchor seine Arbeit unbeirrt weiter, trotz abwesender Lehrkräfte sowie Mangels an Lebensmitteln und Heizmaterial. Die ökonomischen Turbulenzen nach dem Krieg führten beinahe zum Untergang des Chores, der daraufhin erstmals in seiner Geschichte Auslandstourneen unternahm und sich damit sanierte. In der Folge waren die charakteristischen blauen Mützen der Kruzianer in vielen Ländern zu sehen, sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Elf Kruzianer sind bei der Bombardierung Dresdens 1945 ums Leben gekommen. Doch wie die Stadt in Trümmern lag und wieder aufgebaut wurde, so wurde auch der Kreuzchor neu organisiert, überdauerte die DDR und besteht bis heute. Jetzt bei buchplanet.ch: Capella Sanctae Crucis von Erna Hedwig Hofmann.

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