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Mehr Buch als Planet

von Gabriel Weber

Wer sich von Berufs wegen mit Büchern befasst, sollte unbedingt Die Komödie des Buches von István Ráth-Végh lesen. Darin erzählt der Autor Kurioses und Groteskes aus der Welt der Bücher. Ich persönlich finde zwar die Quellenlage nicht immer ganz zweifellos, aber es ist jedenfalls unterhaltsam zu lesen.

In einer englischen Bibel von 1632 wurde an einer wichtigen Stelle das Wort „nicht“ vergessen. Dort steht also Du sollst ehebrechen (Seite 49). Um bei der Bibel zu bleiben: In früheren Zeiten vertraten ernsthafte Wissenschaftler die Meinung, niemand anderes als Adam und Eva (Jawohl, auch Eva!) hätten die ersten Bücher geschrieben (Seite 5ff.). Im 17. Jahrhundert beschrieb ein französischer Priester namens François Arnoulx in einem Buch sehr detailliert und fantasievoll sowohl den Himmel als auch die Hölle (Seite 284 und 295). Bücherwürmer besonderen Formats waren ein gewisser Monsieur Lenglet-Dufresnoy, der eines Abends so lange am Kamin las, bis er vor Erschöpfung ohnmächtig wurde und den Kamin-Feuertod starb, und der Dichter Alessandro Guidi, der dem Papst eines seiner Bücher überreichen wollte, aber auf dem Weg zur Audienz einen Druckfehler entdeckte und daraufhin tödlich vom Schlag getroffen wurde (Seite 74f.). Auguste Harmand, Direktor der Bibliothek in Troyes (Frankreich), plünderte jahrzehntelang unbemerkt seine eigene Institution (Seite 100). Selbst Johann Wolfgang Goethe blieb nicht von der Zensur verschont, besonders sein Faust wurde immer wieder „stubenrein“ gemacht (Seite 117ff.).

Und noch etwas für Leute, die es sehr makaber mögen: In der Bibliothek von Bury St Edmunds (England) gibt es ein Buch, das die Lebensgeschichte eines hingerichteten Mörders erzählt – gebunden in dessen eigene Haut (Seite 54)…

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