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Zehn kleine Ullsteins

von Gabriel Weber

Die Familie Ullstein war und ist für die deutsche Medien-Geschichte von grosser Bedeutung.

Leopold Ullstein ist der Sohn eines Papierhändlers aus Fürth in Bayern. Als Erwachsener zieht er nach Berlin, wo er zunächst ebenfalls mit Papier handelt. Dann jedoch beginnt Leopold damit, eine Zeitung herauszugeben, und baut einen grossen Presse-Verlag auf. Schluss mit leerem weissem Papier, jetzt wird Gedrucktes verkauft! Leopolds Redakteure sitzen immer mal wieder wegen unzulässiger Kritik an Kanzler Bismarck im Gefängnis – so lange, bis der Verlag einen speziellen „Sitzredakteur“ einstellt, dessen Aufgabe darin besteht, stellvertretend für seine Kollegen die Gefängnisstrafen abzusitzen. Neben Zeitungen werden auch Bücher herausgegeben; einer der grössten Erfolge in der Geschichte des Ullstein-Verlags ist Erich Maria Remarques Im Westen nicht Neues. Die Familie vermehrt sich: Leopolds erste Frau, Matilda Berend, stirbt kurz nach der Geburt ihres siebten Kindes. Später heiratet er Elise Pintus, die ihm drei weitere Kinder schenkt. Diese insgesamt zehn Kinder Hans, Käthe, Else, Louis, Alice, Franz, Mathilde, Rudolf, Hermann und Antonie, später dann Schwiegerkinder und über zwanzig Enkelkinder bilden die Grundlage für dieses reale Familienepos – mit Freud und Leid, Frieden und Streit, was es eben so gibt. Doch ab 1933 geraten die jüdischen Ullsteins in ernsthafte Schwierigkeiten. Die Nazis zerschlagen bzw. „arisieren“ den Verlag und treiben die Familie in die Emigration.

Jetzt bei buchplanet.ch: Ullsteinroman von Sten Nadolny. Der schönste Satz in diesem Buch? Meiner Ansicht nach die folgende Aussage, die Nadolny dem kleinen Louis Ullstein in den Mund legt: „Fränzchen leidet unter Totalbräve. Kann so etwas chronisch werden?“ Zum Schluss noch eine kleine Preisfrage: Auf dem Umschlag des Buches sind auf einer alten Fotografie die sieben Kinder aus Leopold Ullsteins erster Ehe zu sehen. Hans und Louis sind deutlich zu erkennen, aber wo ist der dritte Junge? Franz (der mit der Totalbräve) steht ganz links und sieht aus wie ein Mädchen.

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