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Archiv vom August, 2017

31. August 2017

Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist

by Gabriel Weber

Im Wiener Stadtpark steht er, die Geige am Kinn, sogar vergoldet: Johann Strauss Sohn, der Walzerkönig. Der Donauwalzer, die Tritsch-Tratsch-Polka, der Kaiserwalzer, die Annen-Polka, Rosen aus dem Süden – „Schani“ Strauss hat der Welt viele unvergessliche Melodien beschert.

Geboren wird Johann Strauss am 25. Oktober 1825. Er ist das erste Kind seiner (übrigens erst seit gut drei Monaten verheirateten) Eltern Johann und Anna Strauss. Johann Strauss Vater (Urheber der heimlichen Nationalhymne Österreichs, des Radetzkymarsches) macht in den folgenden Jahren eine grosse Karriere als Musiker und Orchesterleiter. Das Familienleben hingegen ist ziemlich zerrüttet. 1844 gibt Johann sein Debüt vor Publikum und wird auf einen Schlag der grösste Konkurrent seines Vaters. Nach dessen Tod 1849 ist der Junior der unbestrittene neue Walzerkönig. Johann ist ungeheuer aktiv, schreibt Walzer, Polkas, Quadrillen etc. am laufenden Band, entdeckt später auch die Bühne, unternimmt Reisen, verdient viel Geld, wird mit Ehrungen überschüttet. Selbst der notorisch unmusikalische Kaiser Franz Joseph äussert sich wohlwollend. Doch Johann hat nicht nur Erfolg. Von seinen diversen Operetten können sich längerfristig nur Die Fledermaus und Der Zigeunerbaron wirklich durchsetzen. Das Familienleben bleibt turbulent: Johann heiratet Henriette Treffz, genannt Jetty, eine Frau mit bewegter Vergangenheit. Ihr plötzlicher Tod 1878 stürzt ihn in einer ernsthafte Krise. Völlig überstürzt geht Johann eine zweite Ehe ein, die sich als Debakel erweist. Von Angelika Dittrich, genannt Lily, lässt er sich scheiden – selbst wenn er dafür Staatsbürger von Sachsen-Coburg-Gotha und Protestant werden muss, weil im katholisch-konservativen Österreich damals keine Ehescheidung erlaubt ist – und findet 1887 in Adele Deutsch endlich die richtige Frau für seinen Lebensabend. Am 3. Juni 1899 stirbt Johann unter grosser Anteilnahme der Wiener Bevölkerung, die ihm sogar seine „Auswanderung“ nach Coburg verziehen hat.

Ich liebe die Werke von Johann Strauss sehr. Bei seiner Musik kann man einfach keine schlechte Laune haben. Jetzt bei buchplanet.ch: Johann Strauss. Um die Welt im Dreivierteltakt von Franz Endler.

29. August 2017

Tooooor!

by Gabriel Weber

Von einer etwas ungewöhnlichen Fussballmannschaft erzählt Eduard Bass in seinem Buch Klapperzahns Wunderelf, erstmals erschienen 1922 (einer der ältesten Fussball-Romane überhaupt).

Herr Klapperzahn aus Nieder-Buckwitz in Tschechien hat sage und schreibe elf Söhne. Was tut man mit elf Söhnen? Dumme Frage, man gründet eine Fussballmannschaft! Nach Jahren intensiven Trainings betritt die Klapperzahn-Elf den Rasen – und erobert im Sturm die tschechische Meisterschaft, ohne auch nur ein einziges Gegentor zu kassieren. Doch das ist noch längst nicht alles! Berlin – Mailand – Barcelona (schon damals eine Fussballhochburg) – London (König George V ist very amused, trotz der englischen Niederlage – er verleiht sogar seinen ältesten Sohn, den Prince of Wales, für eine Weile als Ersatzspieler an die Klapperzähne). Nichts scheint die Jungs aus Nieder-Buckwitz aufhalten zu können. Doch dann erleben die Klapperzähne ihre erste Niederlage, und das nicht einmal während eines Spiels. Ein kleiner Junge sagt ihnen mitten in die elf Gesichter, sie würden ja nur des Geldes wegen spielen, er hingegen für die Ehre. Dieser Vorwurf erschüttert die Brüder zutiefst; sie haben sich selber gar nie als Profis verstanden, sondern nur immer voller Leidenschaft gespielt, während ihr Vater – Klapperzahn Senior, Vater, Trainer und Manager in einer Person – für das Geschäftliche zuständig war. Jetzt wollen die Klapperzähne ihre Karriere schleunigst beenden und künftig nur noch als Amateure „tschutten“. Doch ein wichtiges Spiel steht ihnen noch bevor.

Ein witziges Buch, selbst wenn dem Leser (so wie mir) die Welt des Fussballs völlig fremd ist. Im Anhang werden glücklicherweise noch die vielen zeitgenössischen und länderspezifischen Anspielungen im Text erklärt.

28. August 2017

Seelenfreundschaft zweier Dickhäuter

by Julia S.

DER ELEFANTENMANN ist ein Fotoband mit einer aussergewöhnlichen Lebensgeschichte, zweier unterschiedlicher Lebewesen. Folgen Sie der Anmut des alten Elefanten und den eindrücklichen Nahaufnahmen von Nomi Baumgartl.

Chris Gallucci geriet als Jugendlicher in Schlägereien, seine Eltern liessen sich scheiden, mit zwölf lief er von Zuhause weg und kam mit sechzehn das erste Mal in den Knast. Als Biker schlug er sich durch geprägt von Rebellion und Aggression. Das sollte sich erst ändern, als er zufällig auf das Filmset von Roar stieß, einem Film, an dem neben Hollywood- Diva Tippi Hedren und Tochter Melanie Griffith unzählige Löwen, Pumas und Tiger sowie zwei Elefanten mitwirkten. Chris war sofort fasziniert von Timbo, dem riesigen Elefanten, und bewarb sich als Elefantentrainer auf der kleinen Ranch von Shambala, wo die Tiere nach Drehschluss ihr Zuhause fanden. Es begann eine fast 30jährige Freundschaft zwischen Biker Chris und Timbo dem grössten afrikanischen Elefantenbullen in Nordamerika. In Chris‘ Tagebuch, das er über drei Jahrzehnte führte, obwohl er kaum schreiben konnte, ist des Öfteren zu lesen, dass er nicht weiss, welches Datum heute ist, das sei aber so eine Sache, die ihm an seinem Leben gefällt, sagt er. Manchmal grübelt er auch einfach über das Leben nach, während er mit Timbo herumhängt. Ob es das alles Wert sei, er hätte mit dieser Beziehung angefangen, als er einen schwarzen Bart hatte, und jetzt hat er einen grauen Bart. „Man muss für irgendwen oder irgendwas Leben, sonst hat das Leben keinen Sinn.“ betont Chris und erklärt, dass Timbos Antworten einfach seien – wie wir das von unseren Haustieren auch kennen – „ich brauch‘ was zu essen, ich brauch‘ Wasser, ich brauch‘ Auslauf, ich brauch Unterhaltung – könntest du mir dabei behilflich sein.“ Sie empfinden Schmerz. Ja, auch Glück, Erfüllung, Freiheit, Freundschaft. Ausserhalb der Ranch tauschen sie ihre Rollen und Chris lässt seinen Freund laufen wohin er will und wackelt selbst Timbo hinterher, so lerne er am besten von ihm und sehe was er so treibt. Es ist kein Kinderspiel, aber du musst auch kein Genie sein, um sie zu durchschauen. Chris hat neben Timbos Freundschaft noch etliche andere Hobbys, er sammelt gerne und liebt seinen Wahnsinn in Schwarz und Chrom!

24. August 2017

Ein Schloss voller Überraschungen

by Gabriel Weber

Nach langer Zeit (zum ersten Mal seit dem 26. November 2013) halte ich wieder einmal eine kleine Laudatio auf die englische Schriftstellerin Edith Nesbit (1858-1924). Eines ihrer Werke ist Das verzauberte Schloss (The Enchanted Castle).

Die drei Geschwister Gerald (als Ältester der unerschrockene, tatkräftige Anführer), Kathy (das fürsorgliche Mütterchen) und Jimmy (das gewitzte Nesthäkchen) müssen die Ferien im Internat verbringen, weil zuhause die Masern ausgebrochen sind. Doch diese Ferien werden nicht so sterbenslangweilig wie befürchtet. Die Kinder entdecken in der Umgebung ein verwunschenes Schloss, das nicht ganz das ist, was es zu sein scheint; eine schlafende Königstochter, die auch nicht ganz das ist, was sie zu sein scheint; einen Schlossverwalter, der – erraten! – auch nicht ganz das ist, was er zu sein scheint; ein Zimmer voller Juwelen; einen Park mit Statuen, die ein verdächtiges Eigenleben führen; und nicht zuletzt einen geheimnisvollen Ring. Letzerer erweist sich als ausgesprochen nützlicher Gegenstand, der allerdings so seine Tücken hat. Mit diesem Ring am Finger sollte man gut aufpassen, was man sagt!

Der Stil der klassischen angelsächsischen Kinderliteratur ist wirklich unvergleichlich! Edith Nesbit verbindet in diesem Werk altmodischen Charme mit britischem Humor. Besonders dann, wenn Gerald das Geschehen kommentiert – und zwar so, als lese er aus einem Buch vor.

22. August 2017

Blaue Mützen und elf Tote

by Gabriel Weber

Hach, was gibt es schöneres als den Gesang von Knabenchören! Soprane und Alte, noch ungefährdet vom Stimmbruch, wahre Engelsstimmen… Neben den Sängerknaben aus Wien (Blog vom 20. Februar 2014), den Thomanern aus Leipzig und den Domspatzen aus Regensburg sind im deutschsprachigen Raum vor allem die „Kruzianer“ zu nennen, die Mitglieder des Kreuzchors aus Dresden.

Alles begann mit einer Reliquie – einem Holzsplitter, der angeblich vom Kreuz Christi stammte. Dafür wurde im 13. Jahrhundert an die Nikolaikirche eine Kreuzkapelle (Capella Sanctae Crucis) angebaut. Dies war der Ursprung von Kreuzkirche, -schule und -chor. Bereits im 14. Jahrhundert existierte in Dresden eine Schule, deren Schüler regelmässig bei kirchlichen Feierlichkeiten den Chor stellten – besonders eben in der Kreuzkirche, die nach mehreren Umbauten aus der Nikolaikirche mit der Kreuzkapelle hervorgegangen war. Die Einführung der Reformation in der sächsischen Hauptstadt im Jahre 1539 war ein wichtiger Wendepunkt in der Chorgeschichte. Auch während des Ersten Weltkriegs führte der Kreuzchor seine Arbeit unbeirrt weiter, trotz abwesender Lehrkräfte sowie Mangels an Lebensmitteln und Heizmaterial. Die ökonomischen Turbulenzen nach dem Krieg führten beinahe zum Untergang des Chores, der daraufhin erstmals in seiner Geschichte Auslandstourneen unternahm und sich damit sanierte. In der Folge waren die charakteristischen blauen Mützen der Kruzianer in vielen Ländern zu sehen, sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Elf Kruzianer sind bei der Bombardierung Dresdens 1945 ums Leben gekommen. Doch wie die Stadt in Trümmern lag und wieder aufgebaut wurde, so wurde auch der Kreuzchor neu organisiert, überdauerte die DDR und besteht bis heute. Jetzt bei buchplanet.ch: Capella Sanctae Crucis von Erna Hedwig Hofmann.

21. August 2017

Achtung Falle!

by Julia S.

Ein regnerischer Tag im Juni, irgendwo in der niederländischen Provinz. Zwei Mädchen liegen bewusstlos hinter einer Bushaltestelle. Was ist passiert?

Heute lauern die Gefahren an jeder Ecke – eigentlich paradox – weil gerade das umgekehrte der Fall ist. Nicht draussen an der Ecke lauerts, sondern Zuhause im Internet, da wo jeder vor dem Computer tut was er will und sein kann was er sich vorstellt. Davon spricht auch das Buch CHATROOM-FALLE von Helen Vreeswijk aus unserem Büchershop www.buchplanet.ch. Die Geschichte zweier Mädchen die im Chatroom mit unbekannten Jungs schreiben. Eigentlich nichts ungewöhnliches – so schreiben sich heutzutage täglich, tausende unbekannte Menschen auf der ganzen Welt – Kennenlerngesprächsdialog, nichts auffälliges. Doch leider wissen wir nicht immer wer genau mit uns kommuniziert. Nicht alle Leute sind ehrlich und verfolgen ein anständiges Ziel, wie Freundschaftspflege, Geschäftliches oder ernst gemeinte Partnersuche. Wie es zu dem Vorfall der glimpflich ausgegangen ist kam, erzählt das Buch detailliert in seiner Geschichte. Die Falle beginnt da, wo manipuliert wird. Vermeintliche Modephotographen locken die Mädchen an, die modeln möchten. Alles passiert freiwillig, die Kommunikation wird aber in eine kriminelle Richtung gelenkt, die den unerfahrenen und jungen Opfern zum Verhängnis wird. Das was den beiden Mädchen passiert ist, ist kein Einzelfall. Helen Vreeswijk ist Kriminalbeamtin und erlebte nur zu oft, wie Jugendliche via Internet Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden. Deshalb schrieb sie dieses fesselnde Buch. Schützen auch Sie unsere Mädchen und Jungen vor den Gefahren der vermeintlich anonymen Chatrooms. Halten Sie als Eltern aufklärende Gespräche dazu, oder suchen Sie sich Unterstützung aus Ratgebern. Schulen sind ebenfalls aufgefordert, eine Lektion zu gestalten, es ist einfach zu wichtig, als darauf zu verzichten! Herzlichen Dank.

17. August 2017

Mehr Buch als Planet

by Gabriel Weber

Wer sich von Berufs wegen mit Büchern befasst, sollte unbedingt Die Komödie des Buches von István Ráth-Végh lesen. Darin erzählt der Autor Kurioses und Groteskes aus der Welt der Bücher. Ich persönlich finde zwar die Quellenlage nicht immer ganz zweifellos, aber es ist jedenfalls unterhaltsam zu lesen.

In einer englischen Bibel von 1632 wurde an einer wichtigen Stelle das Wort „nicht“ vergessen. Dort steht also Du sollst ehebrechen (Seite 49). Um bei der Bibel zu bleiben: In früheren Zeiten vertraten ernsthafte Wissenschaftler die Meinung, niemand anderes als Adam und Eva (Jawohl, auch Eva!) hätten die ersten Bücher geschrieben (Seite 5ff.). Im 17. Jahrhundert beschrieb ein französischer Priester namens François Arnoulx in einem Buch sehr detailliert und fantasievoll sowohl den Himmel als auch die Hölle (Seite 284 und 295). Bücherwürmer besonderen Formats waren ein gewisser Monsieur Lenglet-Dufresnoy, der eines Abends so lange am Kamin las, bis er vor Erschöpfung ohnmächtig wurde und den Kamin-Feuertod starb, und der Dichter Alessandro Guidi, der dem Papst eines seiner Bücher überreichen wollte, aber auf dem Weg zur Audienz einen Druckfehler entdeckte und daraufhin tödlich vom Schlag getroffen wurde (Seite 74f.). Auguste Harmand, Direktor der Bibliothek in Troyes (Frankreich), plünderte jahrzehntelang unbemerkt seine eigene Institution (Seite 100). Selbst Johann Wolfgang Goethe blieb nicht von der Zensur verschont, besonders sein Faust wurde immer wieder „stubenrein“ gemacht (Seite 117ff.).

Und noch etwas für Leute, die es sehr makaber mögen: In der Bibliothek von Bury St Edmunds (England) gibt es ein Buch, das die Lebensgeschichte eines hingerichteten Mörders erzählt – gebunden in dessen eigene Haut (Seite 54)…

15. August 2017

Felix Austria

by Gabriel Weber

Manchmal (oder sogar oft) hängt der Verlauf der Weltgeschichte von Kleinigkeiten ab. Hannes Stein macht sich in seinem Roman Der Komet (jetzt günstig bei buchplanet.ch erhältlich) Gedanken darüber, welche Auswirkungen eine ganz kleine Veränderung haben könnte.

Österreich ist eine Monarchie unter Kaiser Franz Joseph II.; In Wien gibt es Salons und Psychoanalytiker und Exzellenzen und Erzherzöge; Lenin ist als verarmter und verbitterter Journalist in Zürich gestorben; Europa besteht zum grössten Teil aus Monarchien, Afrika aus Kolonien europäischer Staaten; Kuba möchte den Vereinigten Staaten von Amerika beitreten; Im Kino gibt es Wochenschauen; Der Mond ist seit der ersten Mondlandung 1945 eine deutsche Kolonie. Dort oben arbeitet zur Zeit auch der k. u. k. Hofastronom David Gottlieb, genannt Dudu (zu seinem Mondflug startet er nicht auf irgendeiner Raketen-Basis, sondern schlicht und einfach am Flughafen Wien-Schwechat). Und während seine Frau Barbara in Wien mit Alexej von Repin flirtet, hat Dudu dramatische Neuigkeiten: Ein Komet nähert sich der Erde. Ein grosser Komet. Ein sehr grosser Komet…

Und warum das alles? Nur weil Erzherzog Franz Ferdinand damals in Sarajevo nach dem ersten, gescheiterten Attentatsversuch auf dem Absatz kehrt machte und wieder nach Hause ging – anstatt im Automobil einem weiteren Attentäter direkt vor die Pistole zu fahren.

14. August 2017

Post mit geballter Ladung

by Julia S.

Das ist der schweizerische Bundesbrief! SCHWYZ gab der Schweizerischen Eidgenossenschaft ihren Namen. Im Kanton Schwyz wird im Staatsarchiv der Bundesbrief der drei Ursprungskantone Uri, Schwyz und Unterwalden aus dem Jahre 1291 aufbewahrt, nebst weiteren unschätzbaren Staatsdokumenten des 13. bis 16. Jahrhunderts. Wann sich die restlichen Kantone diesem Bund angeschlossen haben, wo bis 1936 die kostbare Brief-Sammlung aufbewahrt wurde, warum die Schlacht am Morgarten nach einer Erneuerung des Vertrages verlangte, wieso Herzog Karl der Kühne von Burgund in der Schweizer Geschichte mitmischt und wofür die drei Bogen am Eingang des Staatsarchivs stehen ist aus der Mappe vom BUNDESBRIEF VOM 1.AUGUST 1291 zu entnehmen, erhältlich bei uns im www.buchplanet.ch. Fürwahr unheimlich interessant, wie viele Jahre es dauerte, bis die Schweiz die heutige Landesform angenommen hat und sich vollends alle Kantone als Eidgenossen bezeichnen durften. Wer weiss was in unserer Schweizer Verfassung steht? Ja bitte, Freiwillige vor?! 😉 Mit geballter Ladung ist gemeint, dass in dem Bundesbrief viele Varianten möglicher Vergehen und wie damit zu verwalten ist, plus Richtlinien für ein gemeinsames und friedliches Miteinander zusammengefasst sind. Konservative Regeln aufheben; warum nicht. Aber ohne Leitplanken überhaupt geht es nicht. Sie helfen den Menschen auf dem richtigen Weg zu gehen. Sonst herrscht ein ‘Sodom und Gomorrha’. Nun gut die harten Zeiten, wie man damals mit Gegnern umgegangen ist, haben sich (hoffentlich) verändert, doch die Gesamtheit des Vertrages ist ewig zeitlos geblieben. Nicht nur die Verantwortung jedes Bürgers wird genannt, auch die Gemeinden werden in ihre Pflicht berufen. Es lohnt sich, sich mit diesen Bundesbriefzeilen, als Schweizer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wie wichtig das Zusammenleben auf friedlicher Basis ist! Zusammenhalt. Mit vereinter Kraft. Liebevoll miteinander. Gegen das Unrecht. Für die Liebe. Für Einigkeit. An alle Eidgenossen!

8. August 2017

Hier stehe ich, ich kann nicht anders

by Gabriel Weber

Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben sollten: Es ist Jubiläumsjahr der Reformation! Selbstverständlich ist Dr. Martin Luther, der streitbare Mönch von Wittenberg, der im frühen 16. Jahrhundert die Welt erbeben liess, auch bei buchplanet.ch aktenkundig.

Man kennt die Geschichte: Der junge Luther hat solche Angst vor einem Gewitter, dass er spontan gelobt, Mönch zu werden, sollte er mit dem Leben davonkommen. Er kommt mit dem Leben davon und damit ist die Sache klar. Eigentlich würde er viel lieber in seinem Wittenberg denken und lehren, aber vor der damaligen Lotterwirtschaft in der katholischen Kirche kann er die Augen nicht verschliessen. Deshalb publiziert er 1517 seine berühmten 95 Thesen. Schluss mit der weltlichen Prasserei der Kirchenfürsten! Keine Geschäftemacherei mehr mit der Angst der Menschen! Reue und Busse anstatt käuflicher Ablass! Eigentlich will Luther die Kirche reformieren, nicht spalten; als er aber merkt, dass die kirchlichen Autoritäten gar kein Interesse an ernsthaften theologischen Erörterungen haben, sondern nur auf ihre Macht pochen, wird er immer radikaler. Dann, im April 1521, kommt der entscheidende Augenblick: Auf dem Reichstag in Worms weigert sich Luther standhaft, seine Lehren zu widerrufen, und nimmt dafür Reichsacht und Kirchenbann in Kauf. Sein Gönner, der Kurfürst von Sachsen, lässt ihn „entführen“ und auf die Wartburg bringen, wo Luther (und zwar in Rekordzeit) das Neue Testament ins Deutsche übersetzt – während man sich in ganz Deutschland fragt, wo er wohl geblieben sein mag.

Der Querdenker aus Eisleben ist eine faszinierend vielseitige Figur, die seit jeher von vielen verschiedenen Seiten politisch und theologisch ausgenutzt wird. Als einführende Lektüre wäre beispielsweise Hier stehe ich Martin Luther von Friedrich Schorlemmer zu empfehlen. Übrigens litt der Reformator an schlimmen Angstattacken, was ihn mir besonders sympathisch macht. Für strenge Katholiken stürzt 1525 endgültig die Welt ein: Martin Luther ehelicht Katharina von Bora – man stelle sich vor, ein Mönch heiratet eine Nonne…