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Der König der Wendehälse

von Gabriel Weber

Zwischen 1780 und 1840 hat Frankreich so manchen politischen Umbruch erlebt. Einer, der es irgendwie schaffte, dabei immer oben zu bleiben, war Charles-Maurice de Talleyrand-Périgod.

Talleyrand, aus einer zwar adligen, aber nicht sehr vermögenden Familie stammend, wird von seinen Eltern schon früh für die kirchliche Laufbahn bestimmt. Zwar hat er nicht das geringste Interesse an geistlichen Dingen – besonders nicht an der Keuschheit – , aber trotzdem bringt er es (Protektion sei Dank) schon in jungen Jahren bis zum Bischof von Autun. 1789 wird Talleyrand als Vertreter des Klerus in die Generalstände gewählt, schliesst sich aber schon bald der Nationalversammlung, also den Vertretern des Dritten Standes, an und befürwortet die Konfiszierung der Kirchengüter durch den französischen Staat (was ihm die Exkommunikation einbringt). Zur Zeit des Direktoriums wird Talleyrand zum ersten Mal Aussenminister und behält diesem Posten auch unter dem Konsulat und schliessslich im Kaiserreich (auf dem berühmten Krönungsgemälde von Jacques-Louis David ist er dabei). Der Kaiser ernennt seinen Minister sogar zum Fürsten von Benevent. Seine Tätigkeit für Napoleon hindert Talleyrand (der übrigens einen verkrüppelten Fuss hat) nicht im Geringsten daran, später auf dem Wiener Kongress die wiederhergestellte Bourbonen-Monarchie unter König Louis XVIII zu vertreten. Auch die Julirevolution von 1830 kann dem politischen Chamäleon nichts anhaben, im Gegenteil. Als Talleyrand einige Jahre später im Sterben liegt, kommt ihn König Louis-Philippe höchstpersönlich besuchen.

Man kann sie verachten, diese Windfahne, die auch finanziell eifrig von ihrer Karriere profitierte. Aber Talleyrands Lebenslauf deutet darauf hin, dass er wirklich ein begnadeter Politiker und Diplomat war. Jetzt bei buchplanet.ch: Talleyrand von Franz Blei.

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