Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Archiv vom 19. Juni 2017

19. Juni 2017

Wohl wissend was Wein will

by Julia S.

Was im Weine liegen soll, können Sie nachblättern in DER WEINARZT, einem Nachdruck der Ausgabe von 1753. Dies kluge Büchlein lehrt uns, vom „Augentrost-Wein“ bis zum „Zahn-Schmerz-Wein“ – über die Heilwirkung des roten Trankes. Die ganze Pracht an Kelterkunst und Kräuterlehre liegt hier in Frakturschrift vor. Etwas entziffern müssen Sie schon, vielleicht sogar darüber nachsinnieren, was ein Wort bedeuten könnte. Zwischen 2017 bis zurück ins 1753 liegen 264 Jahre, da hat sich nicht nur die Schrift, sondern auch die Sprache ein bisschen verändert. Obwohl, der erste Satz der Vorrede in der damaligen Zeit in der Moderne angekommen scheint: „Nachdeme es heutiges Tages zur Mode worden, dass auch kleine Tractötgen und geringe Schrifften mit einer Vorrede pflegen begleitet zu werden;…“ In Cap. I. (Kapitel 1) wird schon mal das Grundmaterial erklärt: „Wie das Gefässe und der Keller beschaffen seyn soll, ingleichem wie mit dem Most und neuen Wein zu verfahren.“ Eine Erläuterung für den, der guten Wein kaufen will. „…der koste denselben, wann der Mittags-Wind wehet, dann zu selbiger Zeit verwandelt sich der Wein gerne, hergegen hüte sich der Käuffer vor dem Mitternächtigen Wind, dann zu solcher Zeit sind alle Weine gerne klar und lauter, solchergestalt kan er leicht betrogen werden,“ der Mittagswind beeinflusst also den besten und beständigsten Wein. In „§ 99. Vor grosse innerliche Hitze“ ist nachzulesen wie diese bekämpft werden kann. „gib einer Ziege oder Geiss“ (wer kennt den Unterschied?) 3 Tage nach einander unter dem Futter Attich zu essen, am dritten und folgenden Tagen nimm davon die Milch, und gib dem Patienten täglich auf eine halbe Maas, oder mehr auf etliche mahl zu trinken;“ Beim Attich bin ich überfragt, aber wer herausgefunden hat, welche Zutat sich dahinter verbirgt und zufällig eine Ziege oder Geiss Zuhause im Garten beherbergt, könnte in Zukunft das Fieber auf ganz natürliche Art senken! Apropos natürlich – habe ich im Netz nachgesehen, was Attich ist: Früher wurde der Zwerg-Holunder als schädliche Körpersäfte abführendes Heilmittel angesehen – aber Vorsicht – heute gilt dieses Gewächs nur noch als Zierpflanze und nicht als Essbar. Doch schwelgen Sie in allerlei Anleitungen: „Chocolate zu machen, so extra delicieus, Degen-und Messer-Klingen wohl zu härten, Elixier Sanitatis…, Lattwerge, damit die Zähne recht sauber gehalten werden, Nasenbluten zu stillen, Opal von raren Farben zu machen, Wassersucht zu vertreiben etc.“ plus in Rezepten, die den Wein gewürzlich verändern, zur Verköstigung dienen, zum Heilen von Wehwehchen und Krankheiten und zu weinspezialisierten Weissheiten leiten.