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Weisheit für den Westen

von Julia S.

Es wird immer dringlicher, dass wir das geistige und spirituelle Leben als die eigentliche stabile Grundlage für das Erlangen von wahrhaftem Glück und Frieden erkennen. Ich denke, dass diese Weisheit mit allen Religionen kompatibel ist. Im Buch von Dieter Glogowski NEPAL, der drei Jahre in Nepal unterwegs war, sind haufenweise ähnlicher Weisheiten beschrieben. Von nepalesischen und tibetischen spirituellen Führern werden die Traditionen in der Meditation an die jüngere Generation weitergegeben und an Reisende aus aller Welt, die mehr vom Leben wissen wollen, als unsere Schulweisheit uns je mitgeben könnte. Mönche in roten Roben, gemurmelte Mantras, tanzende Schatten im Schein der Butterlampen, sakrale Heiterkeit. „Wozu dienen die sieben Wasserschalen auf dem Schrein?“ „Das ist eine Achtsamkeitsübung, einfach und leicht. Du füllst die Schalen jeden Morgen mit Wasser und schüttest sie jeden Abend vor dem Schlafengehen wieder aus. Eine Art Mediation – der Weg zur Achtsamkeit.“ „Das klingt einfach,“ gab ich ihm zurück. Lama Zewang schmunzelte und schwieg. Später Zuhause, als Geschenk die sieben Schalen mitgebracht, gelang es mir erst nach zwei Wochen, mit dem Ritual zu beginnen. Am Morgen die Schalen mit Wasser auffüllen, am Abend die Schalen zu leeren. Abgelenkt von Telefonaten, Emails und anderen Terminen kam ich nicht zu meiner Achtsamkeits-Meditation. Einfach? Ich musste lachen und erinnerte mich an die Worte von Dilgo Khyentse Rinpoche: „Arbeit ist die Faulheit des Westens.“ Darüber lohnt es sich zu sinnieren! Was wir abtun als spirituellen Kram um uns in freudiges Burnout zu stürzen verwundert mich. Interessant, dass wir nach so vielen Jahrhunderten noch nicht diese Weisheiten für uns entdeckt haben. Wir lesen sie, widmen uns aber wieder unseren anerzogenen Gesellschaftsschemen und nichts verändert sich.

Einer der Hauptgründe, warum wir soviel Angst haben, uns dem Tod zu stellen, liegt darin, dass wir die Wahrheit der Vergänglichkeit ignorieren. Für uns ist Wandel gleichbedeutend mit Verlust und Leid. Und wenn sich Veränderung einstellt, versuchen wir, uns so gut wie möglich zu betäuben. Stur und ohne nachzufragen halten wir an der Annahme fest, dass Dauerhaftigkeit Sicherheit verleiht, Vergänglichkeit hingegen nicht. (Sogyal Rinpoche). Was nützt es uns, zum Mond reisen zu können, wenn es uns nicht gelingt, den Abgrund zu überwinden, der uns von uns selbst trennt? (Thomas Merton). 

 

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