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Brüderchen, komm tanz mit mir…

von Gabriel Weber

Geschwister (siehe Blog vom 16. März 2017) und Familien spielen auch in Prügelknabe von Jana Frey eine wichtige Rolle.

Elias ist übrig geblieben, man kann es nicht anders ausdrücken. Die Pest hat seine Familie und das ganze Dorf ausgerottet. Auch dem jüdischen Mädchen Sulamith geht es nicht besser. Ihre Familie und ihr Dorf sind einem antisemitischen Pogrom zum Opfer gefallen. Gemeinsam ziehen die beiden Waisenkinder in die Welt hinaus. Unterwegs gerät Elias in ein Kloster, dessen Abt sich nicht nur als sadistischer Tyrann, sondern auch als Menschenhändler erweist, der elternlose Novizen (also solche, die niemand vermisst) zwecks künstlicher Verstümmelung und anschliessender Ausstellung auf Jahrmärkten ins Ausland verkauft. Doch zum Glück lebt in diesem Kloster auch Bruder Laurenzio, der Elias und seine angebliche Schwester Maria (alias Sulamith) als Pflegekinder bei seinen reichen Verwandten unterbringt. Im Haus des Herzogs Ferdinand von Bellingen erwartet die Beiden ein Leben im Wohlstand, wie sie es sich nie hätten träumen lassen. Doch es ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt: Die Herzogin bringt zwar am laufenden Band Kinder zur Welt (mindestens neun Schwangerschaften, darunter zweimal Zwillinge), aber viele sind schon ganz früh gestorben. Jene, die noch leben, sind schwach und kränklich und ungeschickt. Der Bauernjunge Elias hingegen ist stark, gesund, mutig, gewandt beim Reiten und Fechten und obendrein auch noch sehr klug! Das weckt nicht nur den Neid seiner Ziehbrüder, sondern auch den Zorn des Herzogs, der Elias beim geringsten Anlass fast zu Tode prügelt – aus lauter Wut und Enttäuschung darüber, dass dieser Bauernlümmel seiner eigenen (etwas degenerierten) Nachkommenschaft in fast jeder Hinsicht überlegen ist. Wo soll das noch hinführen? Und wird Sulamith tatsächlich den unsympathischen Bruder des Herzogs heiraten müssen?

Besonders interessant ist die faszinierend widersprüchliche Figur des Herzogs Ferdinand. Brutal und grobschlächtig einerseits, liebevoll und durch die vielen Todesfälle in seiner Familie psychisch geschädigt andererseits.

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