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Der Mann, der kaum zu töten war

von Gabriel Weber

Heuer jährt sich zum 100. Mal die Russische Revolution. Jemand, der diese Revolution zwar nicht mehr selber miterlebt hat, aber auf seine Weise zu ihrem Ausbruch beitrug, und zugleich eine der sagenumwobensten Gestalten in der Geschichte Russlands war Grigori Jefimowitsch Rasputin.

Aus Sibirien kam er nach St. Petersburg, der Bauer und Familienvater Rasputin. Streng genommen war er kein Mönch (auch wenn er in der Literatur zuweilen so genannt wird), sondern so eine Art freischaffender Wanderprediger. Es war sein Ruf als Wunderheiler und „Heiliger Mann“, der dazu führte, dass er an das Krankenbett des unheilbar kranken Thronfolgers Alexei gerufen wurde. Der Zar und die Zarin waren verzweifelt und besonders die Zarin, in einer Mischung aus Schuldgefühlen (sie hatte ihrem Sohn das defekte Gen vererbt) und tiefer, zum Mystizismus neigender Religiosität, klammerte sich an die Hoffnung, dieser Mann werde ihren heissgeliebten Alexei retten. Unbestreitbare Tatsache ist, dass Rasputin frappierende Erfolge hatte, wenn es darum ging, die Leiden des Zarewitsch zu lindern. So wurde er bald eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im Umfeld des Zaren – und blieb es auch, obwohl er durch seine Liebschaften und seine Alkoholexzesse die ganze Monarchie kompromittierte, obendrein sagte man ihm ein Verhältnis mit der Zarin nach. Schliesslich beschlossen im Dezember 1916 einige Aristokraten, Rasputin zu beseitigen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Nach einem missglückten Vergiftungsversuch erschossen sie ihn (auch nicht ohne Mühe) und versenkten ihn in der eiskalten Neva. Als man später die Leiche fand, wurde als Todesursache Ertrinken festgestellt…

René Fülöp-Miller zeichnet in seinem Buch Der heilige Teufel. Rasputin und die Frauen ein sehr differenziertes Bild jenes Mannes mit dem schwarzen Bart und dem hypnotischen Blick, betrachtet ihn weder als Heiligen, noch als das Böse in Person. Eines muss man Rasputin übrigens lassen: Im Sommer 1914 warnte er den Zaren mit Nachdruck vor dem sinnlosen Blutbad eines Krieges.

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