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Verbotene Liebe

von Gabriel Weber

Ein sehr heikles Thema schneidet Frits Bernard in seiner Erzählung Costa Brava an.

Spanien, 1936: Santiago Capmany, ein Filmemacher aus Venezuela, wollte eigentlich im Land seiner Vorfahren Urlaub machen. Doch jetzt ist der Bürgerkrieg ausgebrochen. Im allgemeinen Chaos begegnet Santiago dem zwölfjährigen Juan José, dessen Vater den politischen Wirren zum Opfer gefallen ist. Für den Südamerikaner ist es Liebe auf den ersten Blick und Juanjo, wie er den Jungen nennt, erwidert seine Gefühle. Gemeinsam versuchen die Beiden, über die Grenze nach Frankreich zu gelangen.

Mit Pädophilie verbinden wir fast zwangsläufig sexuelle Gewalt. Doch in diesem Fall beruht die Beziehung auf Gegenseitigkeit, von Zwang keine Spur. Santiago und Juanjo haben einander zärtlich lieb und sind glücklich zusammen. Ist das schlecht, nur weil Juanjo noch ein Junge ist? Ist es gerecht, Pädophilie grundsätzlich mit Verbrechen gleichzusetzen, wenn es doch auch anders geht? Warum, so fragt man sich bei der Lektüre dieses Buches, widerstrebt uns der Gedanke einer freiwilligen Liebe – und zwar einer Liebe, die schon auch erotisch ist, aber weit über das blosse sexuelle Verlangen hinausgeht – zwischen einem Erwachsenen und einem Kind? Weil es unseren europäischen Vorstellungen widerspricht, weil (um es mit Christian Morgenstern zu sagen) nicht sein kann, was nicht sein darf?…

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