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Als die Blutsauger noch keine Sexbomben waren

von Gabriel Weber

Lange vor Twilight und anderen Ergüssen der Gegenwart gab es Geschichten über Vampire (siehe Blog vom 5. Dezember 2013). Norbert Borrmann ist in seinem Buch Vampirismus diesem Mythos auf den Grund gegangen.

Es beginnt schon in der Antike. Erzählungen und Mythen von Parasiten, die den Menschen das Blut (sprich die Lebenskraft) aussaugen, und von Toten, welche die Lebenden heimsuchen, gibt es in vielen verschiedenen Kulturen der Welt – offenbar fürchten sich die Menschen seit jeher davor. Im frühen 18. Jahrhundert ereigneten sich auf dem Balkan mehrere Fälle, in denen Verstorbene zu Vampiren erklärt und gepfählt wurden, weil sich in ihrem Umfeld plötzlich Krankheit und Tod häuften. Beamte des Habsburgerreichs rapportierten dies nach Wien und lösten damit europaweites Interesse aus. Die nächste Vampir-Welle kam dann mit der Schauerliteratur der Romantik. John Polidoris Erzählung Der Vampyr, erschienen 1819, läutete eine ganze Serie von ähnlichen Werken ein, von denen Bram Stokers Dracula das bekannteste sein dürfte. Und wenn zu diesen Mythen auch noch real existierende Menschen kamen, denen man Vampirismus nachsagte, wie beispielsweise die ungarische „Blutgräfin“ Erszebet Bathory oder die deutschen Serienmörder Fritz Haarmann und Peter Kürten, dann wurde es erst richtig prickelnd…

Verführung und Sex (auch wenn frühere Vampire noch lebende Leichname waren, nicht so umwerfend anziehende Schönheiten wie ihre modernen Kollegen), Macht und Ausbeutung, Tiefenpsychologie mit ihren Trieben, Ängsten und Wünschen, Politik (Graf Dracula: Aristokraten als „Blutsauger“), Sehnsucht nach dem Tod oder nach Unsterblichkeit, Sucht, Machtgier… In Vampiren spiegelt sich vieles wieder, was die Menschen im Innersten bewegt. Wahrscheinlich sind und bleiben sie deshalb so populär.

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