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In aufrichtiger Freude

von Gabriel Weber

Wenn in einer Todesanzeige steht: In aufrichtiger Freude geben wir bekannt, dass XY leider viel zu spät von uns gegangen ist, dann stimmt etwas nicht. Genauso ist es in Paul Kaufmanns Ein Kerl in Samt und Seide.

Franz Joseph M., ehemaliger Minister für Gesundheit und Umweltschutz, ist gar nicht tot. Er sitzt höchst lebendig in einer psychiatrischen Klinik (womit wir wieder beim Thema wären: siehe Blog vom 5. Januar 2017) und hat seine Todesanzeige selber verfasst. Und da er gerade beim Verfassen ist, schreibt er auch gleich noch seine Memoiren. Allerdings gibt gleichzeitig auch seine liebende Gattin Corinna seinem ehemaligen Sekretär Dr. Fabris den Auftrag, die offiziellen „Memoiren“ des Staatsmannes zu schreiben – natürlich so, wie man sie lesen möchte. Der Ex-Minister sieht das nicht so eng – wenn man schon offiziell und mit staatlicher Genehmigung einen Dachschaden hat, kann man es sich leisten, ehrlich zu sein. Das ist er auch, und zwar nicht zu knapp! Angelehnt an die historischen Geschichten von Till Eulenspiegel, zieht Franz Joseph seine Umwelt durch den Kakao. Alle kommen dran: All die verlogenen, heuchlerischen Spiessbürger, die heute schon nicht mehr wissen, was sie gestern noch gesagt und versprochen haben. Die Politiker, die sich nur dann um das Volk kümmern, wenn sie entweder Wählerstimmen oder Kanonenfutter brauchen (oder beides). Die Regierenden, die auch vor den übelsten Diktatoren kriechen, wenn es den wirtschaftlichen Interessen des Landes (beziehungsweise ihren eigenen) dient. Beamte, die dann am besten funktionieren, wenn sie gar nicht funktionieren. Na, an diesen Memoiren werden die Frau Gemahlin, der Herr Regierungschef und andere Leute gewiss ihre helle Freude haben!

Möchten Sie wissen, warum Franz Joseph M. eigentlich in die Klinik eingeliefert worden ist? Bei einer hochkarätigen Preisverleihung (in Gegenwart unzähliger Honoratioren und sonstiger verdächtiger Individuen) bekam er plötzlich einen Lachanfall und konnte gar nicht mehr aufhören, bis man ihn abtransportierte…

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