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Vor Gericht

von Gabriel Weber

In der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika findet man verschiedene Auslandschweizer. Einer davon war Henry Wirz.

Am 25. November 1823 in Zürich geboren, ursprünglich mit dem Vornamen Heinrich, und wegen Vermögensdelikten zu zwölf Jahren Landesverweis verurteilt, kommt Wirz 1849 nach Amerika. Als 1861 der Sezessionskrieg beginnt, meldet Wirz sich freiwillig zur Armee der Südstaaten, wo er es bald zum Offizier bringt und schliesslich die Leitung des Kriegsgefangenen-Lagers Andersonville übernimmt. Nach dem Sieg der Nordstaaten kommt es in Washington zum grossen Sensationsprozess: Captain Henry Wirz wird der abscheulichsten Verbrechen angeklagt, die er an Gefangenen begangen haben soll, Mord und Totschlag, Folter, Misshandlung… Doch der Prozess ist, rechtsstaatlich gesehen, ein schlechter Witz! Die Öffentlichkeit im Norden schreit nach Rache an den Konföderierten und an höchster Stelle hat man grosses Interesse daran, dass Wirz als Sündenbock verurteilt wird, gewissermassen stellvertretend für die ganzen Südstaaten. Während die Presse fleissig gegen das „Monster von Andersonville“ hetzt und das Publikum im Gerichtssaal den Angeklagten sogar während der Verhandlung in übelster Weise beschimpft, spielt sich ein geradezu grotesker Schauprozess ab. Das Ungleichgewicht zwischen der Anklage und der Verteidigung wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Welche Zeugen vorgeladen und vernommen werden, darüber entscheidet der Staatsanwalt nach eigenem Gutdünken. Was die Zeugen der Anklage aussagen, wird diskussionslos geglaubt – unabhängig davon, ob der betreffende Zeuge bei näherer Betrachtung Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben kann oder nicht. Ein Zeuge der Anklage entblödet sich nicht einmal, hinterher im Vorzimmer zu erklären, seine Aussage sei gelogen gewesen. Proteste der Verteidigung bleiben erfolglos. Das Ende ist klar: Am 10. November 1865 wird Henry Wirz in Washington D. C. gehängt.

Ob Wirz nun schuldig war oder nicht – der Prozess liess jedenfalls sehr viel zu wünschen übrig. Zu den Richtern gehörte übrigens General Lew Wallace, der Autor des Romans Ben Hur. Jetzt bei buchplanet.ch: Captain Wirz von Jürg Weibel.

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