Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Archiv vom Januar, 2017

31. Januar 2017

Welt-Lesezeichentag / World Bookmark Day

by Sara Grob

Wie behandeln Sie Ihre Bücher?
Bei mir ist es ganz unterschiedlich. Bücher, die ich vom Abfall rette (Taschenbuch-Romane, die eindeutig schon einmal gelesen worden sind) und die ich nach dem Lesen nicht behalten möchte, leiden bei mir manchmal ziemlich. Ich mache Eselsohren hinein, markiere wichtige oder interessante Stellen mit Kugelschreiber und manchmal reisse ich sogar eine Seite hinaus. Ganz anders verhalte ich mich bei Büchern von meinen Lieblingsautoren, bei Sachbüchern und bei Büchern, die ich ausnahmsweise neu gekauft habe. Hier mache ich keine Eselsohren hinein, sondern benutze Lesezeichen und achte auch darauf das Buch nicht mit schmutzigen Fingern zu berühren (in unseren Zustandsbeschreibungen verwenden wir manchmal das Wort „fingerfleckig“ für Bücher, die mit schmutzigen Fingern angefasst worden sind und nun fleckig sind).
Ich erfreue mich an schönen Lesezeichen und habe eine kleine Sammlung aufgebaut. Darum bin ich seit einigen Monaten Mitglied bei „International Friends of Bookmarks„. IFOB ist offen für alle, die an Lesezeichen interessiert sind, die Mitgliedschaft ist kostenlos.
Am Samstag, 25. Februar 2017, findet nun der erste „World Bookmark Day“ (abgekürzt WOBODA) statt. Auf der Webseite von IFOB sind verschiedene Aktivitäten für diesen Tag aufgelistet. Zum Beispiel wurden von IFOB-Mitgliedern neun Lesezeichen erstellt, die über die Webseite heruntergeladen und ausgedruckt werden können.
buchplanet.ch hat zwei dieser Lesezeichen ausgewählt und sie von der Geschäftsstelle der Stiftung Tosam ausdrucken und zuschneiden lassen. Wir werden im Februar jeder Bestellung kostenlos ein WOBODA-Lesezeichen mitsenden.

Twitter_Header_Februar

Wir freuen uns über diese Kooperation mit IFOB und hoffen auf viele weitere spannenden Projekte.

26. Januar 2017

Die Flegeljahre

by Gabriel Weber

Erich Kästners Klassiker Emil und die Detektive kennt wohl jeder. Aber es gibt auch noch das viel weniger bekannte „Sequel“ Emil und die drei Zwillinge.

Emil, seine Grossmutter und seine Cousine Pony Hütchen werden vom Professor eingeladen, mit ihm und seinen Eltern Ferien an der Ostsee zu machen. Gustav (neuerdings nicht mehr mit einer Hupe, sondern mit einem Motorrad ausgestattet – sehr richtig, auch Detektive werden älter) und der (nicht mehr ganz so) kleine Dienstag sind auch dabei. Emil hat Sorgen: Seine seit langem verwitwete Mutter will wieder heiraten. Schön und gut, doch der eifersüchtige Sohnemann hat Mühe mit dem Gedanken, seine heissgeliebte Mutter in Zukunft mit jemand Anderem „teilen“ zu müssen. Wer so ein Prachtexemplar von einem Sohn hat, wie er eines ist, der braucht gar keinen Mann!… Doch zunächst einmal muss Emil seine privaten Probleme zurückstellen. Der junge Akrobat Jackie Byron (mit bürgerlichem Namen Paul Pachulke) gerät in eine ziemlich prekäre Situation, als sich der Rest seiner Artistentruppe bei Nacht und Nebel auf die Socken macht und ihn alleine zurücklässt. Da können die Detektive natürlich nicht tatenlos zusehen, das versteht sich von selbst! Es muss etwas geschehen. Aber was?

Emil und seine Mitstreiter kommen in die Pubertät… das bringt allerlei Veränderungen mit sich (nicht nur lange Hosen). Was wird wohl aus Emil und seinem Stiefvater in spe, dem Polizeioberwachtmeister Heinrich Jeschke? Und übrigens: Die Verfilmung von Emil und die Detektive, die in den drei Zwillingen eine nicht unwesentliche Rolle spielt, gibt es wirklich (1931, unter der Regie von Gerhard Lamprecht).

24. Januar 2017

Von Angsthasen, Giftzwergen und Schreckschrauben

by Gabriel Weber

Schimpfwörter sind Glückssache, sagt man. Damit das nicht so bleibt, hat buchplanet.ch für Liebhaberinnen und Liebhaber gepflegten Fluchens jetzt Schimpfologie. Von Angsthase bis Rotzlöffel von Christoph Mett im Angebot.

Da gibt es zum Beispiel die Quasselstrippe. Sie ist an ihrem ständig auf und zu klappenden Mund erkennbar und hat immer mindestens ein Ohr am Telefon. Oder den Fresssack. Wenn sich ein solcher nähert, sollte alles Essbare, das man selbst verspeisen möchte, schleunigst in Sicherheit gebracht werden. Das Trampeltier hat einen höchst poetischen Künstlernamen, und zwar Elefant im Porzellanladen. Den Traumtänzer sollte man möglichst immer schwere Dinge (zum Beispiel Koffer) schleppen lassen, damit er nicht plötzlich abhebt. Es ist ganz einfach, ein Riesenbaby loszuwerden: Man füllt schlicht und ergreifend den Kühlschrank nicht mehr auf. Soll eine Schnarchnase einmal unbedingt pünktlich zu einem Termin erscheinen, empfiehlt es sich, ihre Uhr eine Stunde vorzustellen. Der Dreckspatz betritt nur äusserst selten ein Badezimmer oder eine vergleichbare Einrichtung, er vermeidet nämlich möglichst den Kontakt mit Wasser und artverwandten Stoffen (Seife, Zahnpasta usw.).

Mit den meisten Exemplaren dieser verschiedenen Gattungen von liebenswerten Mitmenschen kann man einigermassen auskommen, wenn man sie erst einmal durchschaut hat. Leute wie Kotzbrocken, Stinkstiefel oder Pissnelken allerdings sollte man nach Möglichkeit meiden.

19. Januar 2017

Als die Blutsauger noch keine Sexbomben waren

by Gabriel Weber

Lange vor Twilight und anderen Ergüssen der Gegenwart gab es Geschichten über Vampire (siehe Blog vom 5. Dezember 2013). Norbert Borrmann ist in seinem Buch Vampirismus diesem Mythos auf den Grund gegangen.

Es beginnt schon in der Antike. Erzählungen und Mythen von Parasiten, die den Menschen das Blut (sprich die Lebenskraft) aussaugen, und von Toten, welche die Lebenden heimsuchen, gibt es in vielen verschiedenen Kulturen der Welt – offenbar fürchten sich die Menschen seit jeher davor. Im frühen 18. Jahrhundert ereigneten sich auf dem Balkan mehrere Fälle, in denen Verstorbene zu Vampiren erklärt und gepfählt wurden, weil sich in ihrem Umfeld plötzlich Krankheit und Tod häuften. Beamte des Habsburgerreichs rapportierten dies nach Wien und lösten damit europaweites Interesse aus. Die nächste Vampir-Welle kam dann mit der Schauerliteratur der Romantik. John Polidoris Erzählung Der Vampyr, erschienen 1819, läutete eine ganze Serie von ähnlichen Werken ein, von denen Bram Stokers Dracula das bekannteste sein dürfte. Und wenn zu diesen Mythen auch noch real existierende Menschen kamen, denen man Vampirismus nachsagte, wie beispielsweise die ungarische „Blutgräfin“ Erszebet Bathory oder die deutschen Serienmörder Fritz Haarmann und Peter Kürten, dann wurde es erst richtig prickelnd…

Verführung und Sex (auch wenn frühere Vampire noch lebende Leichname waren, nicht so umwerfend anziehende Schönheiten wie ihre modernen Kollegen), Macht und Ausbeutung, Tiefenpsychologie mit ihren Trieben, Ängsten und Wünschen, Politik (Graf Dracula: Aristokraten als „Blutsauger“), Sehnsucht nach dem Tod oder nach Unsterblichkeit, Sucht, Machtgier… In Vampiren spiegelt sich vieles wieder, was die Menschen im Innersten bewegt. Wahrscheinlich sind und bleiben sie deshalb so populär.

17. Januar 2017

Klassiker für Faulenzer

by Gabriel Weber

Ach Gott, was sollte man alles gelesen haben! So im Deutschunterricht in der Schule oder zwecks Allgemeinbildung… Alle diese berühmten Romane und Novellen der deutschsprachigen Literaturgeschichte. Aber dummerweise sind diese sogenannten Klassiker oft recht umfangreich. Auch die zuweilen etwas komplizierte Sprache ist nicht jedermanns Sache. Wer keine Lust hat, viele dicke Bücher zu wälzen, kann ersatzweise den Romanführer von Wilhelm Olbrich konsultieren.

Das stehen alle drin, die Inhalte kurz zusammengefasst: Annette von Droste-Hülshoff (Die Judenbuche); Joseph von Eichendorff (Aus dem Leben eines Taugenichts); Theodor Fontane (Effi Briest, Der Stechlin, Frau Jenny Treibel); Johann Wolfgang Goethe (Werther, Wilhelm Meister, Die Wahlverwandtschaften); E. T. A. Hoffmann (Kater Murr, Das Fräulein von Scuderi); Thomas Mann (Buddenbrooks, Der Zauberberg); Erich Maria Remarque (Im Westen nichts Neues); Joseph Viktor von Scheffel (Ekkehard); Adalbert Stifter (Nachsommer); Theodor Storm (Der Schimmelreiter) und viele andere. Doch auch Autoren, die nicht unbedingt zum Kanon der hochstehenden Literatur gehören, wie Karl May (Winnetou) und Ludwig Ganghofer (Schloss Hubertus), kommen vor.

Auch die Schweiz ist vertreten, etwa mit Gottfried Keller (Der grüne Heinrich) und Jeremias Gotthelf (Anne Bäbi Jowäger). Für geplagte Schülerinnen und Schüler dürfte dieses fünfbändige Werk eine Wohltat sein! Immer noch viel zu lesen, aber insgesamt doch bedeutend weniger.

12. Januar 2017

In aufrichtiger Freude

by Gabriel Weber

Wenn in einer Todesanzeige steht: In aufrichtiger Freude geben wir bekannt, dass XY leider viel zu spät von uns gegangen ist, dann stimmt etwas nicht. Genauso ist es in Paul Kaufmanns Ein Kerl in Samt und Seide.

Franz Joseph M., ehemaliger Minister für Gesundheit und Umweltschutz, ist gar nicht tot. Er sitzt höchst lebendig in einer psychiatrischen Klinik (womit wir wieder beim Thema wären: siehe Blog vom 5. Januar 2017) und hat seine Todesanzeige selber verfasst. Und da er gerade beim Verfassen ist, schreibt er auch gleich noch seine Memoiren. Allerdings gibt gleichzeitig auch seine liebende Gattin Corinna seinem ehemaligen Sekretär Dr. Fabris den Auftrag, die offiziellen „Memoiren“ des Staatsmannes zu schreiben – natürlich so, wie man sie lesen möchte. Der Ex-Minister sieht das nicht so eng – wenn man schon offiziell und mit staatlicher Genehmigung einen Dachschaden hat, kann man es sich leisten, ehrlich zu sein. Das ist er auch, und zwar nicht zu knapp! Angelehnt an die historischen Geschichten von Till Eulenspiegel, zieht Franz Joseph seine Umwelt durch den Kakao. Alle kommen dran: All die verlogenen, heuchlerischen Spiessbürger, die heute schon nicht mehr wissen, was sie gestern noch gesagt und versprochen haben. Die Politiker, die sich nur dann um das Volk kümmern, wenn sie entweder Wählerstimmen oder Kanonenfutter brauchen (oder beides). Die Regierenden, die auch vor den übelsten Diktatoren kriechen, wenn es den wirtschaftlichen Interessen des Landes (beziehungsweise ihren eigenen) dient. Beamte, die dann am besten funktionieren, wenn sie gar nicht funktionieren. Na, an diesen Memoiren werden die Frau Gemahlin, der Herr Regierungschef und andere Leute gewiss ihre helle Freude haben!

Möchten Sie wissen, warum Franz Joseph M. eigentlich in die Klinik eingeliefert worden ist? Bei einer hochkarätigen Preisverleihung (in Gegenwart unzähliger Honoratioren und sonstiger verdächtiger Individuen) bekam er plötzlich einen Lachanfall und konnte gar nicht mehr aufhören, bis man ihn abtransportierte…

10. Januar 2017

Vor Gericht

by Gabriel Weber

In der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika findet man verschiedene Auslandschweizer. Einer davon war Henry Wirz.

Am 25. November 1823 in Zürich geboren, ursprünglich mit dem Vornamen Heinrich, und wegen Vermögensdelikten zu zwölf Jahren Landesverweis verurteilt, kommt Wirz 1849 nach Amerika. Als 1861 der Sezessionskrieg beginnt, meldet Wirz sich freiwillig zur Armee der Südstaaten, wo er es bald zum Offizier bringt und schliesslich die Leitung des Kriegsgefangenen-Lagers Andersonville übernimmt. Nach dem Sieg der Nordstaaten kommt es in Washington zum grossen Sensationsprozess: Captain Henry Wirz wird der abscheulichsten Verbrechen angeklagt, die er an Gefangenen begangen haben soll, Mord und Totschlag, Folter, Misshandlung… Doch der Prozess ist, rechtsstaatlich gesehen, ein schlechter Witz! Die Öffentlichkeit im Norden schreit nach Rache an den Konföderierten und an höchster Stelle hat man grosses Interesse daran, dass Wirz als Sündenbock verurteilt wird, gewissermassen stellvertretend für die ganzen Südstaaten. Während die Presse fleissig gegen das „Monster von Andersonville“ hetzt und das Publikum im Gerichtssaal den Angeklagten sogar während der Verhandlung in übelster Weise beschimpft, spielt sich ein geradezu grotesker Schauprozess ab. Das Ungleichgewicht zwischen der Anklage und der Verteidigung wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Welche Zeugen vorgeladen und vernommen werden, darüber entscheidet der Staatsanwalt nach eigenem Gutdünken. Was die Zeugen der Anklage aussagen, wird diskussionslos geglaubt – unabhängig davon, ob der betreffende Zeuge bei näherer Betrachtung Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben kann oder nicht. Ein Zeuge der Anklage entblödet sich nicht einmal, hinterher im Vorzimmer zu erklären, seine Aussage sei gelogen gewesen. Proteste der Verteidigung bleiben erfolglos. Das Ende ist klar: Am 10. November 1865 wird Henry Wirz in Washington D. C. gehängt.

Ob Wirz nun schuldig war oder nicht – der Prozess liess jedenfalls sehr viel zu wünschen übrig. Zu den Richtern gehörte übrigens General Lew Wallace, der Autor des Romans Ben Hur. Jetzt bei buchplanet.ch: Captain Wirz von Jürg Weibel.

5. Januar 2017

Im Reich des Irrsinns

by Gabriel Weber

Friedrich Glauser war gewissermassen der „Vater“ des Schweizer Kriminalromans. Sein Wachtmeister Studer ist – nicht zuletzt durch die filmische Darstellung von Heinrich Gretler – zur populären Figur geworden. Eines von Glausers bekanntesten Werken ist Matto regiert.

Wachtmeister Jakob Studer von der Berner Kantonspolizei bearbeitet einen neuen Fall. Dr. med. Ulrich Borstli, Direktor der Psychiatrischen Klinik (damals sagte man noch „Irrenanstalt“) in Randlingen (fiktiv) ist spurlos verschwunden und wird später tot aufgefunden. Beinahe zur gleichen Zeit ist auch ein Patient namens Pierre Pieterlen aus der Klinik entwischt. Die Vermutung liegt nahe, dass zwischen den beiden Ereignissen ein Zusammenhang besteht. So betritt Studer, begleitet vom stellvertretenden Direktor der Anstalt, dem undurchsichtigen Dr. Ernst Laduner, eine ausgesprochen seltsame Welt. Es ist die Welt der Geisteskranken, bevölkert von kuriosen Gestalten und rätselhaften Charakteren – wo hört eigentlich die Normalität auf, wo fängt die Verrücktheit an? Der brissagorauchende Wachtmeister weiss nicht mehr so recht, was er denken soll. Und über allem schwebt unsichtbar Matto, der Geist des Wahnsinns…

Einblicke in eine Zeit, als man Geisteskranke nicht unbedingt behandeln, sondern sie in erster Linie aus dem Verkehr ziehen und unschädlich machen wollte… Der Autor kannte dieses Umfeld aus eigener Erfahrung. Geradezu unvergleichlich ist Glausers Sprache, gewürzt mit saftigen Helvetismen.