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Glaub nicht alles, was du siehst!

von Gabriel Weber

Ob in der Zeitung, im Fernsehen oder im Internet: Bilder prägen die öffentliche Meinung. Von Willy Brandts Kniefall in Warschau bis zu Pippa Middletons Allerwertestem an der Hochzeit ihrer Schwester – Bilder, die um die Welt gingen. Dass solche Aufnahmen aber mit Vorsicht zu geniessen sind, dokumentiert das Buch Bilder, die lügen.

„Die Kamera lügt nicht“, sagt man. Deshalb gelten Fotos als absolut objektive Wiedergabe der Realität. Doch sind sie das wirklich? Schon lange vor der Computer-Ära erfreute sich das Retuschieren grosser Beliebtheit. Stalin liess Trotzki im grossen Stil aus Bildern entfernen und dafür sich selber in Lenins Nähe zeigen. Hitler liess sich fotografisch in drei Phasen inszenieren, nämlich so, wie er jeweils gesehen werden wollte: vom rührigen Parteiführer im Braunhemd (vor 1933) über den seriösen Staatsmann im feinen Anzug (1933-1939) bis zum Feldherrn in Uniform (ab 1939). Das berühmte Foto, wie russische Soldaten 1945 auf dem Reichstag in Berlin die rote Fahne hissen, mag zwar ganz spontan aussehen, ist in Wirklichkeit aber ebenso inszeniert wie das Hissen der amerikanischen Fahne auf Iwo Jima. Bilder wurden schon immer bearbeitet, sei es nun aus ästhetischen, aus politischen oder aus moralischen Gründen. Es ist daher äusserst wichtig, sich zu fragen, von wem, mit welcher Absicht und unter welchen Umständen ein Bild gemacht worden ist – bevor man alles glaubt, was man sieht!

Auch den Comics erging es puncto Bildbearbeitung nicht besser. In einem Fall musste Tarzan sogar mit blossen Händen gegen einen unsichtbaren Hai kämpfen. Sowohl das Messer als auch der Fisch waren der Zensur zum Opfer gefallen…

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