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Dichtung unter der Lupe

von Gabriel Weber

Hans Weigel betrachtet in Götterfunken mit Fehlzündung klassische deutsche Literatur einmal etwas genauer.

Als erstes kommt Friedrich von Schillers Ode an die Freude dran. Was ist eigentlich ein „Götterfunken“? Und kann ein solcher „schön“ sein? Wie kann man von Feuer „trunken“ werden? Wieso für ein einziges Verdienst gleich mehrere Kronen, eine würde doch schon genügen? Dann müssen Heinrich Heines Grenadiere dran glauben. Wie können zwei Grenadiere nach Frankreich ziehen, wenn sie in Russland gefangen sind? Warum lassen sie die Köpfe schon hängen, bevor sie die traurige Neuigkeit erfahren? Wie kann Frankreich verloren gehen (hat vielleicht irgendjemand es verkramt und noch nicht wiedergefunden?)? Und wie kann ein Dichter (ich betone: ein Dichter!) „mein Grab“ auf „aus dem Grab“ reimen? Auch Richard Wagners Lohengrin wird nicht verschont. Lauter unvollständige und missverständliche Sätze, die jeder Deutschlehrer rot anstreichen würde! In Hugo von Hofmannsthals Elektra fällt einem die geradezu inflationäre Verwendung des Wortes „Blut“ auf. Liegt das vielleicht am berühmten „Wiener Blut“?

Ludwig Uhlands Des Sängers Fluch demontiert der Autor sogar in Versform, und zwar Strophe für Strophe:

Es stand in alten Zeiten ein Schloss so hoch und hehr,
Weit glänzt‘ es über die Lande bis an das blaue Meer,
Und rings von duft’gen Gärten ein blütenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Das Schloss stand hoch und glänzte, die Brunnen sprangen frisch,
Was tat der Kranz von Gärten? Das Verb fiel unter’n Tisch;
Und wo geschah das Springen? Hier fehlt es an Prägnanz;
Sie sprangen zweimal in: in Gärten und in Glanz.

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