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Archiv vom Dezember, 2016

22. Dezember 2016

„Daas git Lääbe, daas git Lääbe!“

by Gabriel Weber

So kommentiert HD-Soldat Läppli (alias Alfred Rasser) vergnügt das stundenlange Exerzieren. Die Vorlage für die Erlebnisse des Hilfsdienst-Soldaten Theophil Läppli aus Basel war die berühmte Militär-Satire Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk von Jaroslav Hasek.

Josef Schwejk aus Böhmen handelt mit Hunden und leidet an Rheumatismus, aber ansonsten tut er niemandem etwas zuleide. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, gerät er plötzlich in das Räderwerk der k. u. k. Behörden. Zuerst wird er für ein Weilchen verhaftet (wegen unvorsichtiger Äusserungen bezüglich des Todes von Erzherzog Franz Ferdinand), dann muss er in die Armee. Doch ob Gefängnis, Psychiatrische Klinik oder Militär, ob im Krankenzimmer oder als Ordonnanz – der unverwüstliche Schwejk ist nicht kleinzukriegen. Er bringt jede Autorität auf die Palme! Im Krankenzimmer der Kaserne werden die Patienten (ganz egal, ob Simulanten oder wirklich krank) so gequält, dass sie schliesslich lieber an die Front gehen, als diese Tortur noch länger auszuhalten; doch Schwejk mit seinem Rheuma gibt nicht nach. Es geht zuletzt doch an die Front; jeder andere würde jammern, aber Schwejk freut sich darauf. Dabei ist er immer nett und höflich (wenn er sich nicht gerade mit einem sturzbetrunkenen Feldprediger befassen muss, in einem solchen Fall kann er schon mal deutlich werden) und möchte es nach Möglichkeit allen recht machen. Ausserdem hält er sich stets an folgendes Motto: Ein Soldat darf nicht denken. Wenn er erst einmal anfängt zu denken, ist er kein Soldat mehr, sondern nur noch ein ganz gewöhnlicher Zivilist! Genau dadurch treibt Schwejk die Offiziere zur Verzweiflung – und dadurch, dass er für jede passende (und unpassende) Gelegenheit irgendeine Anekdote aus seinem umfangreichen Bekanntenkreis parat hat.

Verblödung im Dienst, Pedanterie, Brutalität, Schlamperei, Überheblichkeit… Jaroslav Hasek beschreibt das Militär Österreich-Ungarns jenseits aller k. u. k. Romantik. Na, das waren ja schöne Zustände! Kein Wunder, dass die Donaumonarchie den Krieg verloren hat.

20. Dezember 2016

Der Schepplin mit sein Hietchen

by Gabriel Weber

Im März 1931 erwartete Berlin einen ganz besonderen Besucher. Charlie Chaplin, der sich gerade anlässlich der Premiere seines neuen Films City Lights in Europa aufhielt, besuchte die deutsche Hauptstadt.

Am Montag, dem 9. März ist Chaplins Ankunft in Berlin Stadtgespräch. Ganz kurzfristig hat er London verlassen und sich auf den Weg nach Deutschland gemacht – nur einen Tag haben die Südfilm AG, die City Lights in Deutschland verleiht, und die Berliner Polizei Zeit für die Vorbereitungen. Warum die Polizei? Nun, man rechnet mit einem erheblichen öffentlichen Interesse (mit Recht, wie sich zeigen wird)! Um 17.17 Uhr ist es soweit: Am Bahnhof Friedrichstrasse steigt Charlie Chaplin aus dem Zug. Es herrscht ein solcher Andrang von Presseleuten und Schaulustigen, dass der Schauspieler und seine Begleiter nur mit Mühe überhaupt das wartende Automobil erreichen. Im Hotel Adlon ist für Chaplin die beste Suite reserviert (übrigens zu einem Vorzugspreis; Hotelier Louis Adlon lässt sich die Anwesenheit des Weltstars etwas kosten), doch vorher büsst der Besucher im Gedränge der Bewunderer noch sämtliche Hosenknöpfe ein. Und der Sturm der Begeisterung lässt auch in den folgenden Tagen nicht nach, egal ob Chaplin ins Theater geht (ein grosser Teil des Publikums interessiert sich wesentlich mehr für ihn als für das Geschehen auf der Bühne) oder ob er zum Tee ins Polizeipräsidium eingeladen wird (dabei gerät sein Tramp doch so oft mit der Polizei in Konflikt…). Der Filmstar trifft Berliner Prominente wie Albert Einstein und Marlene Dietrich, Leute wie Erich Kästner und Kurt Tucholsky schreiben Gedichte über ihn.

Doch nicht alle Leute in Berlin waren begeistert über den Besuch. Rechtsextreme Kreise in der untergehenden Weimarer Republik schimpften agressiv über den angeblichen Juden Chaplin, dem man obendrein Sympathien für den Kommunismus unterstellte. Ausserdem verübelte man ihm seine Veräppelung der Deutschen im Kriegsfilm Shoulder Arms (1918). Wolfgang Gersch hat in Chaplin in Berlin dieses Grossereignis rekonstruiert.

19. Dezember 2016

Lesezeichen 39 – Geheimnisvolle Weihnacht

by Julia S.

Schwingen Sie den Zauberstab… ach ne, das macht ja schon das Christkind :-)! Ihre Aufgabe ist lediglich, rechtzeitig Ihre (ellenlange) Wunschliste aus dem Fenster zu hängen, bevor der Weihnachtstag heranrückt. Übrigens gerade heute Nacht hat sich heimlich, still und leise der Schnee auf seine plüschigen Socken gemacht und unsere Landschaft – zumindest in der Ostschweiz (hier in Flawil um den www.buchplanet.ch und sicher in den höheren Regionen – in ein prachtvolles weiss verwandelt. Eine Märchenwelt, sozusagen! Freuen wir uns an den hübschen und mannigfaltigen Schneeflocken an den Autoscheiben lieber, als zu jammern des mühsamen Kratzens wegen. 😉 Eisblumen hurra!

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Weihnachten ach du schönste Zeit. Wenn der Schnee mal liegen bleibt und man das passende Bäumchen unter dem flockigen weiß suchen muss. Geheimnisvoll war König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) seine ganze Lebensgeschichte, wer sich damit befasst. Er hat seine Märchenideen in die Tat umgesetzt und alles erbaut was ihm möglich war. Vor allem sein grösstes Projekt, das traumhafte Schloss in Schwangau bei Füssen in Deutschland, dem ultimativen Neuschwanstein, in dem er selbst nur zehn Tage seines Lebens verbrachte. Ein Ungewöhnliches Leben, aber auf ewig unergründlich geheimnisvoll. Vermutlich ein Vierspänner mit Schimmeln zog seine goldene Kutsche mit Kufen durch die Wintergegend. Schnee macht die Stimmung komplett, das hoffe ich auch für Sie. In Weihnachtsstimmung. In Erinnerung, dass unser Christus geboren ist, jeden Menschen liebt und auf Gespräche mit ihnen hofft. In diesem Sinne – gesegnete Festtage und – naja bei Schnee natürlich – einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017. Vielen Dank für das fleißige Lesejahr!

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15. Dezember 2016

Faites vos jeux!

by Gabriel Weber

Um noch einmal auf das Thema Casinos und Glücksspiele (Blog vom 27. September 2016) zurückzukommen: Das Thema fasziniert viele Leute. Das Casino-Glücksspiel par excellence ist das Roulette. Jetzt bei buchplanet.ch: Das Buch der Glücksspiele von Kristian Kraus.

Wichtigster Bestandteil des Roulette ist ein runder Kessel, in dem die Zahlen 0 bis 36 nach einem ganz bestimmten (aber nur schwer zu durchschauenden) Prinzip angeordnet sind. Ausser der 0 hat jede Zahl die Farbe Rot oder Schwarz. Neben dem Kessel sind auf der Tischplatte die sogenannten Chancen angegeben, also die Möglichkeiten, wie man setzen kann. Man kann zum Beispiel auf eine einzelne Zahl setzen (plein), auf alle geraden Zahlen (pair), auf alle ungeraden (impair) oder auf eine Farbe (rouge bzw. noir). Es geht ruckzuck, zackzack: Man setzt, der Croupier bringt den Kessel und eine kleine weisse Kugel in Bewegung und sobald sich die Kugel auf einer Zahl niedergelassen hat, haben die Spieler (je nachdem, worauf sie gesetzt haben) gewonnen (selten) oder verloren (meistens). Je nach Wahrscheinlichkeit ist der Gewinn höher oder niedriger. Gespielt wird heute übrigens nur noch mit Plastik-Chips, nicht mehr mit richtigem Geld wie früher (schade!).

Niccolo Paganini war ein leidenschaftlicher Spieler. Ebenso Fjodor Dostojewski, durch dessen Roman Der Spieler das Roulette in die Weltliteratur einging. Es gab und gibt auch Spieler, die – warum, weiss man nicht – immer wieder spektakuläre Gewinne machen. Thomas Garcia war in den 1860er Jahren der Schrecken jeder Spielbank. Michail Kortikoff beobachtete tagelang genau den Spielverlauf, bevor er zum Angriff überging – und zwar so, dass den Croupiers angst und bang wurde.

13. Dezember 2016

Der Zar schippt Schnee

by Gabriel Weber

Nächstes Jahr jährt sich die Russische Revolution zum 100. Mal. Jemand, der den Glanz und den Untergang des einst glamourösesten Herrscherhauses Europas aus nächster Nähe miterlebt hat, war Tatjana Botkin. Ihre Erinnerungen an die Zarenfamilie sind jetzt bei buchplanet.ch erhältlich.

Tatjana ist die Tochter von Dr. Jewgeni Sergejewitsch Botkin, dem Leibarzt von Zar Nikolaus II. Nachdem er diesen Posten erhalten hat, zieht er mit seiner Frau Olga sowie den Kindern Dimitri, Juri, Tatjana und Gleb nach Zarskoe Selo, der Residenz des Zaren südlich von St. Petersburg. Weil der Thronfolger an Hämophilie leidet und auch die Zarin von recht schwacher Gesundheit ist, muss der Leibarzt oft seines Amtes walten. Infolgedessen entwickelt sich zwischen den Familien Botkin und Romanow eine enge Beziehung. Botkin ist nicht nur der Arzt, sondern auch ein enger Vertrauter des Zaren, den er nach der Revolution 1917 auch in die Gefangenschaft nach Tobolsk (Sibirien) begleitet. Als die Gefangenen dann später nach Jekaterinburg verlegt werden, geht Dr. Botkin mit – und er geht dort zuletzt auch mit der Zarenfamilie in den tödlichen Keller (Blog vom 16. Dezember 2013). Tatjana hingegen bleibt in Tobolsk zurück; dieser Umstand rettet ihr das Leben.

Tatjana Botkin schreibt mit viel Sympathie und Wärme über die Familie Romanow. Wohl ist ihre Sicht ein bisschen einseitig, aber das liegt in der Natur von Memoiren. Ergänzt wird das Ganze durch historische Fotografien. Der Ex-Zar beim Schneeschaufeln; Die Zarenkinder nach einer schweren Erkrankung, alle fünf mit kahlrasierten Köpfen; der lächelnde Zarewitsch Alexei in Uniformmantel und Pelzmütze, vermutlich das letzte existierende Bild von ihm…

12. Dezember 2016

Der ehrenwerte Mr. Adderley Bancroft

by Julia S.

Ein Buch mit geheimnisvoller Schrift und rätselhaften Bildern erzählt ein Abenteuer in Transsylvanien… Mr. Johann Adderley Bancroft mit seiner Braut Miss Edwarda Cornwallis, reisen nach Madrak, einer kleinen Stadt in den Karpathen. Auf dem Bahnhof erwartet im Morgengrauen ein schielender Mensch auf die beiden: Maksiminiu, des Grafen Kammerdiener. „Eo sum Maksiminiu, knezului servu..“ stellt er sich vor. Wild rasen sie über die Landschaft mit dem Zweispänner. An der uralten Kathedrale scheuen die beiden schwarzen Pferde, ihr teuflisches Gewieher zerreißt den frühen Morgen in blutige fetzten, und Maksiminiu am Kutschbock hat große Mühe sie wieder zu bändigen. Weiter geht es in halsbrecherischer Fahrt. Im Schloss des Grafen angekommen, vor den hohen Fenstern bewegen sich Fledermäuse im Traum, ihre Flügel zucken in regelmäßigen Abständen wie sinistre Spielzeuge. In der unirdischen Stille des herbstlich durchsonnten Nachmittages findet Edwarda im Garten des Schlosses ein vergilbtes Foto. Seltsam: im Halse des fotografierten Mädchens stecken die winzigen Zangen eines Ohrenkäfers…“ Darf ich ihnen behülflich sein, Mr. Bancroft?“ fragt der Graf. J. A. Bancroft versucht seiner maßlosen Verwirrung Herr zu werden, er hat Drakula nicht im Schlosse vermutet… Den ganzen Tag über schon spielt Geige, Dudelsack und Cimbalóm. Oleana, des Dorfältesten Tochter soll den jungen Jäger Irgor heiraten. Nach alter transsylvanischer Sitte hat die Braut allein ins zukünftige Schlafgemach zu gehen… …wir haben vergessen Knoblauchblüten zu streuen! Ruft Igor verzweifelt…

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8. Dezember 2016

Ich bin (k)ein Berliner!

by Gabriel Weber

Lange galt Frankreich als der „Erbfeind Deutschlands“. Aber in Berlin haben schon immer  – oder doch jedenfalls seit der Zeit der Hugenotten – relativ viele Franzosen gelebt und die örtliche Sprache, den berühmten Berliner Jargon (da fängt es schon an!), mitgeprägt.

Friedrich der Grosse, einer der berühmtesten Monarchen in der deutschen Geschichte, sprach besser und öfter französisch als deutsch. Dass der höchste preussische Militärorden Pour le Mérite hiess, ist kein Zufall, dann gibt es das Berliner Krankenhaus Charité, ferner die Schlösser Sanssouci und BellevueEenen uff de Lampe giessen kommt von lamper (übermässig trinken). Mutterseelenallein hat weder mit Müttern, noch mit Seelen etwas zu tun, sondern stammt von moi tout seul (ich ganz allein) ab. Der Gebrauch von Ick und Icke entspricht in etwa dem französischen Je und Moi. Das Portepee spielte im preussischen Militär eine wichtige Rolle. Noch heute wird in Berlin manchmal von einer Chose, einer Chaussee oder von einem Milieu (beziehungsweise einem Miljö) gesprochen. Dann gibt es auch noch den Effee (effet) und das Karree (carré). Man isst Buljong (bouillon), bis man davon de Neese pleng (plein) hat oder bis sie schlicht und einfach alle (allé) ist.

Interessierten sei Französisch im Berliner Jargon von Ewald Harndt empfohlen.

6. Dezember 2016

Glaub nicht alles, was du siehst!

by Gabriel Weber

Ob in der Zeitung, im Fernsehen oder im Internet: Bilder prägen die öffentliche Meinung. Von Willy Brandts Kniefall in Warschau bis zu Pippa Middletons Allerwertestem an der Hochzeit ihrer Schwester – Bilder, die um die Welt gingen. Dass solche Aufnahmen aber mit Vorsicht zu geniessen sind, dokumentiert das Buch Bilder, die lügen.

„Die Kamera lügt nicht“, sagt man. Deshalb gelten Fotos als absolut objektive Wiedergabe der Realität. Doch sind sie das wirklich? Schon lange vor der Computer-Ära erfreute sich das Retuschieren grosser Beliebtheit. Stalin liess Trotzki im grossen Stil aus Bildern entfernen und dafür sich selber in Lenins Nähe zeigen. Hitler liess sich fotografisch in drei Phasen inszenieren, nämlich so, wie er jeweils gesehen werden wollte: vom rührigen Parteiführer im Braunhemd (vor 1933) über den seriösen Staatsmann im feinen Anzug (1933-1939) bis zum Feldherrn in Uniform (ab 1939). Das berühmte Foto, wie russische Soldaten 1945 auf dem Reichstag in Berlin die rote Fahne hissen, mag zwar ganz spontan aussehen, ist in Wirklichkeit aber ebenso inszeniert wie das Hissen der amerikanischen Fahne auf Iwo Jima. Bilder wurden schon immer bearbeitet, sei es nun aus ästhetischen, aus politischen oder aus moralischen Gründen. Es ist daher äusserst wichtig, sich zu fragen, von wem, mit welcher Absicht und unter welchen Umständen ein Bild gemacht worden ist – bevor man alles glaubt, was man sieht!

Auch den Comics erging es puncto Bildbearbeitung nicht besser. In einem Fall musste Tarzan sogar mit blossen Händen gegen einen unsichtbaren Hai kämpfen. Sowohl das Messer als auch der Fisch waren der Zensur zum Opfer gefallen…

5. Dezember 2016

Gefundenes – Panzerauslese!

by Julia S.

Panzerfreunde aufgepasst! Tja, was man (auf) unserem Buchplanet.ch nicht alles finden kann… ein *Schwupps* in die Vergangenheit zu aufregenden Maschinen… in diesem Taschenbuch werden mit 77 Skizzen und 164 Lichtbildern von Dr. F. v. Senger u. Etterlin gezeigt welche Panzer es zur Zeit von 1943-1954 gegeben hat.

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33

Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Sowjetunion und die USA sind aufgelistet

 

44

Der Jagdpanzer, Porsche-Tiger „Elefant“

55

Panzerwagen Sterv und Sturmpanzer aus Schweden

 

66

Selbstfahrlafetten; 24cm Haubitze SF (KING KONG) auf gepanzertem Sattelschleppzug und Zwillingsflak aus den USA

 

88

Tabellenerklärung

77

Fahrzeugsdatenübersicht von Grossbritannien

 

1. Dezember 2016

Dichtung unter der Lupe

by Gabriel Weber

Hans Weigel betrachtet in Götterfunken mit Fehlzündung klassische deutsche Literatur einmal etwas genauer.

Als erstes kommt Friedrich von Schillers Ode an die Freude dran. Was ist eigentlich ein „Götterfunken“? Und kann ein solcher „schön“ sein? Wie kann man von Feuer „trunken“ werden? Wieso für ein einziges Verdienst gleich mehrere Kronen, eine würde doch schon genügen? Dann müssen Heinrich Heines Grenadiere dran glauben. Wie können zwei Grenadiere nach Frankreich ziehen, wenn sie in Russland gefangen sind? Warum lassen sie die Köpfe schon hängen, bevor sie die traurige Neuigkeit erfahren? Wie kann Frankreich verloren gehen (hat vielleicht irgendjemand es verkramt und noch nicht wiedergefunden?)? Und wie kann ein Dichter (ich betone: ein Dichter!) „mein Grab“ auf „aus dem Grab“ reimen? Auch Richard Wagners Lohengrin wird nicht verschont. Lauter unvollständige und missverständliche Sätze, die jeder Deutschlehrer rot anstreichen würde! In Hugo von Hofmannsthals Elektra fällt einem die geradezu inflationäre Verwendung des Wortes „Blut“ auf. Liegt das vielleicht am berühmten „Wiener Blut“?

Ludwig Uhlands Des Sängers Fluch demontiert der Autor sogar in Versform, und zwar Strophe für Strophe:

Es stand in alten Zeiten ein Schloss so hoch und hehr,
Weit glänzt‘ es über die Lande bis an das blaue Meer,
Und rings von duft’gen Gärten ein blütenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Das Schloss stand hoch und glänzte, die Brunnen sprangen frisch,
Was tat der Kranz von Gärten? Das Verb fiel unter’n Tisch;
Und wo geschah das Springen? Hier fehlt es an Prägnanz;
Sie sprangen zweimal in: in Gärten und in Glanz.