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Die Gräfin am Plafond

von Gabriel Weber

Im Allgemeinen sind Frauen in Märchen ja nicht sehr emanzipiert. Sie sitzen meistens schluchzend herum und warten darauf, von einem Mann gerettet (und natürlich auch geheiratet) zu werden. Eine löbliche Ausnahme ist der klassische Märchenroman Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (Puh!), den die Schriftstellerin Bettina von Arnim zusammen mit ihrer Tochter Gisela verfasst hat.

Die kleine Hochgräfin Gritta lebt in einem uralten, zerfallenen Schloss. Ihr Vater, ein verarmter Sonderling und Witwer, bastelt die seltsamsten Apparaturen, die er gerne an Gritta und an dem alten Diener Müffert ausprobiert – auch wenn das bedeutet, dass die beiden manchmal stundenlang von der Decke baumeln müssen. Trotzdem und trotz der Armut gefällt es Gritta in ihrem Zuhause, mit ihrem Vater, dem treuen Müffert, den vielen Ratten (daher der Name) und mit Peter, ihrem besten Freund. Doch eines Tages taucht das blasierte Fräulein Nesselkrautia mitsamt einem Schwarm herausgeputzter Pagen auf und heiratet den Grafen, gegen alle Widerstände. Die neue Stiefmutter will das Mädchen zwecks anständiger Erziehung (und um sie los zu sein) in ein Kloster schicken. Doch im Gegensatz zu manchen ihrer Kolleginnen im Märchen schmachtet Gritta nicht etwa still leidend vor sich hin, bis ein Prinz kommt und sie rettet, nee! Sie ergreift selber die Initiative! Zusammen mit einigen Leidensgenossinnen türmt sie aus dem Kloster. Ein Prinz kommt dann allerdings auch noch vor – vielmehr ein Prinzchen, und zwar ein eher untypisches Exemplar.

Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (wer hat sich bloss diesen Namen ausgedacht?) ist ein sehr ungewöhnliches, aber zauberhaftes Märchen.

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