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Knack!

von Gabriel Weber

Neben dem Nussknacker von E. T. A. Hoffmann und jenem von Peter Tschaikowsky gibt es noch einen weiteren: Den Ich-Erzähler in Der Nussknacker von Sobo.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Nussknacker von einem Holzschnitzer im bayrischen Oberammergau hergestellt. Doch die Zeiten sind schlecht für das Holzschnitz-Gewerbe – niemand will den Nussknacker kaufen, zum Verdruss des Holzschnitzers, aber zur Freude seines Sohnes Wilhelm. Der will ihn nämlich unbedingt behalten. Wilhelm nimmt den Nussknacker mit auf einen Flug mit dem Luftschiff des Grafen Zeppelin, doch bei einer Bruchlandung werden die beiden getrennt. Nun beginnt die Odyssee des Nussknackers: Er übersteht den Untergang der Titanic und wird nach langer Zeit in Belgien an Land gespült. Während des ersten Weltkriegs erlebt er das internationale Weihnachten 1914 an der Westfront. Nach dem Krieg landet der Nussknacker, nach einem Umweg über das revolutionäre München, schliesslich in Berlin. Im Besitz des jüdischen Jungen Salomon verfolgt er den Beginn des Nationalsozialismus mit. Im November 1938 flieht Salomon nach Frankreich – mit seinem Nussknacker im Gepäck, versteht sich. Als Frankreich angegriffen wird, emigriert Salomon dann weiter nach Amerika, während der Nussknacker wieder in Berlin landet – mitten im Widerstand. Nach dem Krieg erlebt er den Wiederaufbau Deutschlands. Als sich das Jahrhundert seinem Ende zuneigt, befindet sich der Nussknacker in den Händen eines uralten Mannes, der gerade im Sterben liegt: Wilhelm…

Der Gipfel ist, dass unser Nussknacker seit einem Unfall seinerzeit in Oberammergau gar nicht mehr in der Lage ist, Nüsse zu knacken. Während des Lesens hatte ich übrigens dauernd Tschaikowskys Musik im Ohr.

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