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Die Rolle seines Lebens

von Gabriel Weber

Manche Schauspieler haben eine Paraderolle, die sie berühmt macht und an der sie später immer wieder gemessen werden. Bela Lugosi hatte den Dracula, Sean Connery den James Bond… Und manchmal kann so eine Rolle auch zum Fluch werden. Davon berichtet Friedrich Knilli in seinem Buch Ich war Jud Süss. Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian.

Ferdinand Haschkowetz kommt am 14. August 1902 in Wien zur Welt, als Sohn eines Opernsängers. Nach dem 1. Weltkrieg beginnt er, unter dem Künstlernamen Ferdinand Marian, eine Karriere als Schauspieler. Er hat Erfolg – zuerst auf der Bühne, dann auch im Film. Und dann,  im Advent 1939, folgt die Katastrophe: Eines Tages steht der Regisseur Veit Harlan vor der Tür und bietet Marian die Titelrolle in seinem Film Jud Süss an. Was das für ein Film ist? Eine einzige brutale, niederträchtige Propaganda-Hetzerei gegen die Juden, vertreten durch die historische Figur des württembergischen Finanzbeamten Josef Süss Oppenheimer (1698-1738), der nicht nur als habgieriger Geschäftemacher und intriganter Karrierist, sondern auch als unsittlicher Lustmolch dargestellt wird. Marian wehrt sich zwar mit Händen und Füssen, doch es hilft nichts. Propagandaminister Goebbels, damals faktisch Alleinherrscher über die deutsche Filmproduktion, besteht darauf, dass Ferdinand Marian und kein anderer die Rolle spielt. Marian übernimmt sie widerwillig – und wird über Nacht zum Superstar. Der Film ist ein riesiger Erfolg im ganzen von Deutschland besetzten Europa. Und der Hauptdarsteller? Ferdinand Marian bekommt Ärger, sobald der Krieg vorüber ist. Am 9. August 1946 kommt er bei einem Autounfall ums Leben.

War Ferdinand Marian schuldig, weil seine Süss-Darstellung als Rechtfertigung für den Holocaust diente?…

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