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Das „Dschungelbuch“ einmal anders

von Gabriel Weber

Gibt es tatsächlich Menschen, die – wie Mowgli oder Tarzan – in der Wildnis unter Tieren aufgewachsen sind, ohne Kontakt zu Menschen? Die Antwort ist: Ja. Offenbar schon.

Ende des 18. Jahrhunderts entdecken Bauern in Südfrankreich in einem Wald ein Kind. Vollkommen nackt, der menschlichen Sprache nicht mächtig, unempfindlich gegen Regen und Kälte und bestens an das Leben im Wald angepasst. Nicht ohne Mühe wird der Junge eingefangen. Die Leute sind fasziniert. Ist dieses Wesen, das nicht einmal sein eigenes Spiegelbild erkennt, ein Mensch? Ein Tier? Oder irgendwie beides? Ausserdem hat ein gewisser Monsieur Rousseau doch vor einiger Zeit die These vom „edlen Wilden“ aufgestellt und behauptet, der Mensch sei von Natur aus gut, nur durch die Zivilisation korrumpiert. Jetzt hat man endlich Gelegenheit, diese Theorie anhand eines praktischen Beispiels zu überprüfen! Übrigens hält man den Jungen zunächst für taub, da er nur auf Naturgeräusche reagiert, nicht auf solche von Menschen. Man bringt den „Wilden“ nach Paris, doch nach einiger Zeit verliert die grosse Welt das Interesse an ihm. Schliesslich wird der Junge dem Arzt Jean Itard anvertraut. Itard bemüht sich, den Jungen, dem er den Namen Victor gibt (weil der Kleine aus irgendeinem Grund auf den Laut „O“ reagiert), behutsam zu „zivilisieren“. Nicht nur das Essen mit Besteck, auch die Benützung eines Nachttopfs, ja sogar das Schlafen in einem Bett muss Victor erst noch lernen.

Die wahre Geschichte von „Victor von Aveyron“ (die auch François Truffaut in seinem Film L’enfant sauvage verarbeitete) erzählt T. C. Boyle in seinem Roman Das wilde Kind.

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