Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Wagners wilde Walküren

von Gabriel Weber

Strafbare Handlungen (zum Beispiel Morde) sind in Opern keine Seltenheit. Auch Richard Wagners Riesenwerk Der Ring des Nibelungen enthält unzählige Straftaten. Dies beweist Ernst von Pidde (1877-1966) in seine Buch Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ im Lichte des deutschen Strafrechts.

Drei Tage (Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung) plus einen Vorabend (Das Rheingold) dauert die Oper. Und in dieser Zeit hagelt es nur so Delikte: Alberich klaut das Rheingold, macht sich also des Diebstahls schuldig; Freia wird von den Riesen Fasolt und Fafner als Geisel genommen; Siegmund und Sieglinde begehen Inzest (und obendrein Ehebruch, was heute allerdings nicht mehr strafbar ist); Was Siegfried mit dem Drachen anstellt, ist zwar keine Wilderei, aber dafür eindeutig Tierquälerei; Hagen ermordet zuerst Siegfried, dann Gunther; Brünnhilde macht sich u. A. der schweren Brandstiftung schuldig. Auch Anstiftung bzw. Beihilfe zu diversen Straftaten kommt reichlich vor.

Die traurige Bilanz: Fünfmal lebenslänglich (Alberich, Fafner, Fricka, Hagen und Brünnhilde), diverse zeitlich begrenzte Freiheitsstrafen (Fasolt, Loge, Wotan, Siegmund, Hunding, Mime, Siegfried, Gutrune, Gunther, Wellgunde und Woglinde), eine Geldstrafe (Sieglinde) und nur gerade zwei Freisprüche (Freia und Flosshilde). Und sowas wird auf der Bühne gezeigt! Es ist wirklich witzig zu lesen, wie der studierte Jurist und überzeugte Anti-Wagnerianer Pidde den Ring sachkundig analysiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.