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Heulen und Zähneklappern

von Gabriel Weber

Nichts für schwache Nerven ist F. Paul Wilsons Thriller Das Kastell.

Rumänien, im Frühling 1941: Hauptmann Klaus Wörmann von der deutschen Wehrmacht bezieht mit seiner Einheit Posten in einer geheimnisvollen Burg am Dinu-Pass. In dieser Burg ist etwas faul, sogar oberfaul – aber die tapferen Soldaten des Führers, die unbesiegbaren Streitkräfte des Grossdeutschen Reichs, haben vor nichts und niemandem Angst! Glauben sie zumindest. Doch dann stirbt ein Soldat; dann noch einer; dann noch einer… jeden Morgen wird ein Angehöriger der Truppe tot aufgefunden, blutig niedergemetzelt. Und zwar, das wird mit jedem Mal deutlicher, nicht von Menschenhand. Wörmann informiert seine Vorgesetzten. Darauf wird eine Einheit von SS-Männern unter dem Kommando von Sturmbannführer Erich Kämpffer in die Karpaten geschickt. Dieser brutale, arrogante Nazi kommt ganz schön ins Rudern, als er feststellen muss, dass dieses Problem nicht mit den üblichen SS-Methoden (also mit roher Gewalt) gelöst werden kann. Es scheint sich nämlich um einen Vampir zu handeln, der offenbar durch die Deutschen aus einem jahrhundertelangen Schlaf geweckt worden ist. Wörmann rät dringend zum sofortigen Abzug und auch Kämpffer würde eigentlich am liebsten türmen; aber eine solche Blamage kann er der SS doch nicht antun! Jetzt kann nur noch einer helfen: Professor Theodor Cuza aus Bukarest, Experte für Geschichte und Brauchtum Rumäniens – und ausserdem Jude.

Mir gefällt diese Mischung aus Realismus und Übernatürlichem. Ausserdem sind die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht so klar gezogen, wie es zunächst scheint, und wenn es auch manchmal recht heftig zur Sache geht, ist es insgesamt doch keine vulgäre Gewaltorgie (nur gegen Ende überbordet es ein wenig). Interessant finde ich auch die Konfrontation des grossspurigen, völlig gewissenlosen SS-Menschen Kämpffer mit einer Macht, die noch viel böser als er – und ihm obendrein überlegen ist. Wenn jemand, dessen Beruf es ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, plötzlich selber die Hosen voll hat…

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