Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Der kleine Diktator

von Gabriel Weber

Über den Mikrokosmos Internat und die kuriosen Blüten, die er zuweilen treibt, habe ich schon einmal geschrieben (Blog vom 11. November 2014). Zum gleichen Genre gehört auch Unter Freunden von Thomas Fuchs.

Als die beiden Teenager Sara und Leo ins Internat Hausenthal (weit draussen auf dem Land, irgendwo in der Gegend von Kassel) kommen, gefällt es ihnen zunächst ganz gut. Bis sie begreifen, was dort gespielt wird: Ein Mitschüler namens Greg ist gewissermassen der unumschränkte Herrscher über Hausenthal, die ganze Schule tanzt nach seiner Pfeife, die Schüler ebenso wie die Lehrer. Und wie macht er das? Mit Drohungen, Erpressungen, roher Gewalt? Nee, weit gefehlt. Gregs Methoden sind wesentlich subtiler. Er versteht es nämlich meisterhaft, Menschen zu manipulieren. Er ist zu allen nett, kümmert sich um alle, hilft allen… aber natürlich nicht umsonst. Wenn jemand dem charismatischen, liebenswürdigen Greg anvertraut, irgendeine Leiche im Keller zu haben (und das hat an dieser Schule fast jeder), wird er nicht etwa erpresst – Greg mimt den verständnisvollen Mitwisser und bringt sein Opfer dadurch erst recht in seine Gewalt. Praktisch alle schulden ihm etwas, entweder Geld (der Schuft betreibt nebenbei auch ein florierendes Kreditgeschäft) oder „kleine Gefälligkeiten“. Die Leute sollen ihn nicht fürchten, sondern sich ihm verpflichtet fühlen – und deshalb tun, was er will. Dieses System funktioniert ganz ausgezeichnet. Greg verfolgt damit offenbar keinen bestimmten Zweck; er berauscht sich schlicht und einfach an der Macht, die er über Andere ausübt. Und wenn jemand mal nicht pariert, ist es leicht, durch eine kleine Intrige dafür zu sorgen, dass der oder die Betreffende von der Schule fliegt. Sobald Sara und Leo diesen Sachverhalt in seiner ganzen Tragweite erfassen, beschliessen sie, Gregs Tyrannei ein Ende zu machen. Die Frage ist nur: Wie?

Der Autor präsentiert mit dem Westentaschen-Diktator Greg einen geradezu gefährlich faszinierenden Schurken. Übrigens spielt Fondue eine nicht unwichtige Rolle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.