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Die Karre des Maharadschas

von Gabriel Weber

Zwei Herren namens Charles Rolls und Henry Royce gründeten einst die berühmteste Automarke der Welt. Sicher, es gibt viele Autos; aber es gibt nur einen Luxuswagen der Luxuswagen, den Rolls-Royce. Geschichten rund um diese legendäre Autosorte aus Grossbritannien haben Mike Fox und Steven Smith in Rolls-Royce. Die 500 besten Stories zusammengetragen.

Zwar gab es schon immer Serienmodelle. Doch beinahe noch wichtiger für das Unternehmen waren in früheren Zeiten die Sonderanfertigungen. Für genug Geld war fast alles möglich. Zu den wichtigsten Kunden der Firma Rolls-Royce in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten indische Fürsten. Und die Herren Maharadschas taten sich keinen Zwang an: Lenkräder aus Elfenbein; Spezialscheinwerfer für die Tigerjagd; Juwelen, Seide, Mahagoni… Aber irgendein Nabob hatte eine solche Wut auf die Firma, das er seine sechs Limousinen kurzerhand zu Müllautos degradierte. Von dem Modell Rolls Royce Phantom IV wurden in den Fünfzigerjahren nur gerade 18 Exemplare für eine handverlesene Kundschaft gebaut (davon zwei für den Schah von Persien und drei für General Franco). In der Volksrepublik Jugoslawien gab es einst nur drei Rolls-Royce, von denen zwei Marschall Tito gehörten. John Lennon liess in seinen Wagen extra ein Bett einbauen. George Bernard Shaw (Blog vom 24. März) besass ein Auto der Firma in Crewe, Charlie Chaplin (Blog vom 22. März) ebenso. Marlene Dietrich und Greta Garbo waren alle beide Rolls-Royce-Fahrerinnen, Rudolph Valentino wurde mit einem regelrechten Rolls-Royce-Konvoi zu Grabe getragen. Dass das britische Königshaus seit jeher zu den Stammkunden des Hauses gehört, versteht sich von selbst. Aber auch ein amerikanischer Präsident war stolzer Besitzer eines Rolls-Royce: Woodrow Wilson. Pfadfinder aus aller Welt spendeten Geld, um Lord Baden-Powell (Blog vom 22. März) ein standesgemässes Fahrzeug zu schenken.

Rolls-Royce gilt als Symbol des Kapitalismus. Das hinderte aber weder Lenin noch Stalin daran, solche Autos zu besitzen. Und übrigens: Ein Rolls-Royce geht nie kaputt. Er verweigert höchstens den Dienst.

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