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Wahres von Wänden

von Gabriel Weber

In dem Buch Schweizer Haussprüche von Kurt Haberstich (jetzt bei buchplanet.ch günstig zu haben) kann man rund 850 verschiedene Sinnsprüche nachlesen, die an den Fassaden alter Schweizer Häuser zu sehen sind.

Viele Haussprüche haben einen religiösen Inhalt, man wollte das Haus und seine Bewohner unter Gottes Schutz stellen, zum Beispiel Der treue Wächter in diesem Haus / sei Gott der Herr allein, / und wer da gehet ein und aus / soll ihm empfohlen sein (Brienzwiler BE) oder Urnerhaus im Urnerland / Schütze Gott mit mächtiger Hand (Seedorf UR). Andere Sprüche hingegen sind eher humoristischer Art: Gott gab die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt (Ennenda GL) oder Der Schnaps ist des Menschen Feind / so hat der Pfarrer jüngst gemeint. / Doch in der Bibel steht geschrieben / du sollst auch deine Feinde lieben (Herschmettlen ZH). Viele Haussprüche enthalten einfache, prägnante Lebensregeln: Geniesse was dir Gott beschieden / Entbehre gern was du nicht hast / ein jeder Stand hat seinen Frieden / ein jeder Stand hat seine Last (Plasselb FR) oder Zufrieden sein ist eine Kunst / Zufrieden werden ist ein Glück / Zufrieden scheinen blosser Dunst / Zufrieden bleiben – Meisterstück (Kandergrund BE). Sehr vernünftig (finde ich) ist auch die Weisheit Dies Haus ziert ich zu meiner Freud / und pfeif aufs Urteil andrer Leut (Stein am Rhein SH). Manche Haussprüche dienen der Reklame für die Hausbewohner und ihre Produkte, etwa Hier werden gemacht nach altem Brauch / Willisauer-Ringli zum Verkauf /es ist bekannt in hiesigen Landen / allhier sie ihren Ursprung fanden (Willisau LU). Haussprüche sind nicht auf die deutschsprachige Schweiz beschränkt. Natürlich kommt auch die Romandie vor, zum Beispiel mit Nous n’avons pas herité la terre de nos parents. Mais empruntée à nos enfants (Vermes JU).

Meinen absoluten Favoriten – klipp und klar, kurz und bündig – findet man im freiburgischen Giffers: Bist du Freund, so tritt ein / bist du Feind, so lass es sein.

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