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Ein erschütterndes Ereignis

von Gabriel Weber

Mit der menschlichen Psyche ist es so eine Sache. Sie bringt die kuriosesten Dinge hervor, zum Beispiel das sogenannte Genovese-Syndrom. Dasselbe hat seinen Namen von einem historischen Ereignis, das einen sprachlos macht. Mir jedenfalls blieb beim Lesen schlicht die Spucke weg.

In den frühen Morgenstunden des 13. März 1964 wird eine junge Frau namens Catherine Genovese, genannt Kitty, im New Yorker Stadtteil Queens auf offener Strasse in brutalster Weise vergewaltigt und ermordet. Der Täter, ein gewisser Winston Moseley, wird wenig später gefasst und gesteht die Tat. Das Gericht verurteilt ihn zunächst zum Tod und später, wegen eingeschränkter Zurechnungsfähigkeit, zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe. Fall abgeschlossen? Mitnichten. Was den Fall Genovese zur tragischen Sensation macht, ist die Tatsache, dass es 38 (in Worten: achtunddreissig) Tatzeugen und -zeuginnen gibt. Jawohl, Sie lesen richtig: 38 Menschen haben von ihren Fenstern aus minutenlang zugeschaut und/oder die Hilfeschreie des Opfers gehört – und niemand hat auch nur einen Finger gerührt, um der Gequälten zu Hilfe zu kommen. Bis es schliesslich zu spät war. Dieses passive Verhalten ist als Genovese-Syndrom in die moderne Psychologie eingegangen.

Didier Decoin rekonstruiert in seinem Buch Der Tod der Kitty Genovese die Vorgänge detailliert und versucht zu ergründen, was es mit diesem Genovese-Syndrom auf sich hat.

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