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Archiv vom März, 2016

31. März 2016

Auf in den Wilden Westen!

by Gabriel Weber

Hach ja, der gute alte Karl May… eine Legende der populären Literatur, über die ich vor langer Zeit schon einmal geschrieben habe (Blog vom 31. Oktober 2013). Das einzige seiner zahlreichen Bücher, das ich je gelesen habe, ist Der Ölprinz.

Eine Gruppe von Auswanderern aus Deutschland, genauer gesagt aus Sachsen, zieht in den Wilden Westen. Dazu gehören u. A. der „Herr Kantor emeritus Matthäus Aurelius Hampel aus Klotzsche bei Dresden“ (wie er sich selber vorstellt), ein furchtbar weltfremder Musikus, der in Amerika eine Oper komponieren will, und Frau Rosalie Ebersbach (ausgesprochen „Eberschbach“), verwitwete Leiermüller, geborene Morgenstern, die Ziehharmonika spielt (nebst ihren übrigen Talenten). In Arizona stossen die Auswanderer auf eine ganze Reihe von Landsleuten (im Westen scheint es von Sachsen nur so zu wimmeln): Sam Hawkens, Hobble-Frank und Old Shatterhand. Diese drei erfahrenen Wildwest-Bummler, selbstverständlich ergänzt durch den berühmtesten Indianer aller Zeiten, den legendären Apachen Winnetou, nehmen die Auswanderer unter ihre Fittiche. Das ist auch dringend nötig. Besonders der zerstreute Herr Kantor emeritus (auf das „emeritus“ legt er übrigens gesteigerten Wert), der nichts als seine Musik und seine Oper im Kopf hat, würde im Wilden Westen ohne Unterstützung im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klanglos untergehen. Natürlich trifft die Gruppe unterwegs allerlei zwielichtige Gestalten, zum Beispiel einen gewissen Grinley, der angeblich eine Ölquelle entdeckt hat. Deshalb schleppt er jetzt den leichtgläubigen Bankier Duncan quer durch den Westen, um ihm diese Quelle zu verkaufen. Ausser dem besagten Bankier merkt jeder, dass die ganze Sache zum Himmel stinkt (und zwar nicht nach Öl). Da können Winnetou und sein Blutsbruder Old Shatterhand natürlich nicht einfach tatenlos zusehen…

Ich amüsiere mich immer wieder köstlich über den naiven Unglücksraben von Kantor (emeritus!) und über die resolute Frau Ebersbach, die ebenso schön sächselt wie die Quasselstrippe Frank. Im Katalog von buchplanet.ch findet man Karl May neuerdings dutzendweise.

30. März 2016

Gefundenes – ungewöhnliche Titel

by Julia S.

Buch zum ReisseKomische Titel 2 - wegDie ersten Zeilen des schweizerischen Romans FRANZ ODER WARUM ANTILOPEN NEBENEINANDER LAUFEN lauten: „Ich war Gymnasiast und kiffte. Ich kam aus dem Kiffen gar nicht mehr heraus, und wenn ich nicht gerade eine Socke missbrauchte, die Klasse wiederholte oder bei den Eltern im Lerchenfeld das Bewusstsein verlor, dann kiffte ich.“  Witzig erzählt von Autor Christoph Simon (1972) geboren in Bern. Ein Blick durch das Buch lässt erahnen, dass es voller Streiche, Skurriles und unüblicher aber lustiger Worte ist. Hier ein paar Auszüge: „Ich habe mir die Hand vermurkst.“/ Der Hauswart blieb vor mir stehen und verschraubte die Dose Mäusetod/ einmal hatte er sich den Mund verklebt und anschließend die  Nase verstopft. Er war blau angelaufen und…/ „Folge seiner Verlängerung – Schafskopf!“/ Ich könnte dem Dachs die Kirschen aus der Torte kratzen.

eswrhjbcfDIE KOMETEN DER ANDEREN BIBLIOTHEK. „Die Kometen“ sind Bücher aus der Reihe des Verlages ‚Die andere Bibliothek‘. Diese Ausgabe No.0 beschäftigt sich mit den Autoren Jabotinsky, Görg, Buch, Bedford, Kapuscinski, Raynal/ Diderot. Kleine Geschichten in Geschichten. (In unserem Shop).
Das MITLESEBUCH von Tina Stroheker ist gefüllt mit lauter abstrakten Gedichten. Ein paar Auszüge ihrer; Zwei Frauen im Glashaus …Weisst du, sagt sie/ ohne den Teddy läuft gar nichts/ der ist immer dabei./ Sie zwinkert und/ zeigt ihre Brüste/ am Bett sitzt der Bär. – skjerUnd aus Auf-einander-zu. Auf einander zu. Das meinst du doch? Auf einander zu, fliegend zum Beispiel. Auf Teppich, sagst du? Vielleicht hebt auch das Dach ab, von dem du Ausschau hältst. Oder schwimmend. Möglichkeiten genug. Aber du zögerst, findest, keinem Blau sei zu trauen. – Oder aus Wien, im Februar …Ja, da tropft es/ da war vorher Eis/ nein, das ist nicht Taubendreck auf dem Kragen/ es tropft dorther/ wo Eis ist. (Bei uns im Shop erhältlich).

MönchDIE HOCHZEIT DES MÖNCHS, von C. F. MEYER. Die Binnenhandlung erzählt, dass der Mönch Astorre der von seinem sterbenden Vater genötigt wird, Diana, die Frau seines gestorbenen Bruders, zu heiraten und somit sein Glaubensgelübde zu widerrufenDiana verliebt sich zwar in Astorre, dieser erwidert ihre Liebe jedoch nicht. Um sein Lebensziel betrogen fühlt sich Astorre und hadert mit seinem Schicksal. Verliebt sich dann aber unerwartet in die schöne Antiope. Zur Bestürzung aller vermählt er sich mit dieser am Tag nach der Verlobung mit Diana. Der Vorfall gerät zum allgemeinen Skandal und mündet schließlich in einem dreifachen Mord: Diana rächt den an ihr begangenen Treuebruch und ermordet Antiope. Daraufhin ersticht Astorre den Bruder Dianas, seinen Jugendfreund Germano, und wird schließlich selber vom Schwert des Sterbenden tödlich getroffen. Von dieser Novelle habe ich noch nie gehört, sie scheint aber bei Studenten bekannt zu sein. Dieses hübsche Exemplar stammt aus Leipzig von 1900. (Shop sei Dank 🙂 )

29. März 2016

Die Karre des Maharadschas

by Gabriel Weber

Zwei Herren namens Charles Rolls und Henry Royce gründeten einst die berühmteste Automarke der Welt. Sicher, es gibt viele Autos; aber es gibt nur einen Luxuswagen der Luxuswagen, den Rolls-Royce. Geschichten rund um diese legendäre Autosorte aus Grossbritannien haben Mike Fox und Steven Smith in Rolls-Royce. Die 500 besten Stories zusammengetragen.

Zwar gab es schon immer Serienmodelle. Doch beinahe noch wichtiger für das Unternehmen waren in früheren Zeiten die Sonderanfertigungen. Für genug Geld war fast alles möglich. Zu den wichtigsten Kunden der Firma Rolls-Royce in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten indische Fürsten. Und die Herren Maharadschas taten sich keinen Zwang an: Lenkräder aus Elfenbein; Spezialscheinwerfer für die Tigerjagd; Juwelen, Seide, Mahagoni… Aber irgendein Nabob hatte eine solche Wut auf die Firma, das er seine sechs Limousinen kurzerhand zu Müllautos degradierte. Von dem Modell Rolls Royce Phantom IV wurden in den Fünfzigerjahren nur gerade 18 Exemplare für eine handverlesene Kundschaft gebaut (davon zwei für den Schah von Persien und drei für General Franco). In der Volksrepublik Jugoslawien gab es einst nur drei Rolls-Royce, von denen zwei Marschall Tito gehörten. John Lennon liess in seinen Wagen extra ein Bett einbauen. George Bernard Shaw (Blog vom 24. März) besass ein Auto der Firma in Crewe, Charlie Chaplin (Blog vom 22. März) ebenso. Marlene Dietrich und Greta Garbo waren alle beide Rolls-Royce-Fahrerinnen, Rudolph Valentino wurde mit einem regelrechten Rolls-Royce-Konvoi zu Grabe getragen. Dass das britische Königshaus seit jeher zu den Stammkunden des Hauses gehört, versteht sich von selbst. Aber auch ein amerikanischer Präsident war stolzer Besitzer eines Rolls-Royce: Woodrow Wilson. Pfadfinder aus aller Welt spendeten Geld, um Lord Baden-Powell (Blog vom 22. März) ein standesgemässes Fahrzeug zu schenken.

Rolls-Royce gilt als Symbol des Kapitalismus. Das hinderte aber weder Lenin noch Stalin daran, solche Autos zu besitzen. Und übrigens: Ein Rolls-Royce geht nie kaputt. Er verweigert höchstens den Dienst.

24. März 2016

Der Vegetarier mit Nobelpreis

by Gabriel Weber

Zu den bedeutendsten Schriftstellern englischer Sprache zählt George Bernard Shaw. Der Nobelpreisträger für Literatur des Jahres 1925 (der ausserdem überzeugter Vegetarier war) ist bekannt für seine ebenso spitzzüngigen wie tiefsinnigen Komödien.

Pygmalion: Der Sprachforscher Prof. Henry Higgins wettet mit seinem Freund, Colonel Pickering, nur aufgrund von Sprachübungen aus der einfachen Blumenverkäuferin Eliza eine feine Dame machen zu können. Doch der arrogante Professor übersieht dabei, dass sein „Studienobjekt“ auch ein Mensch ist und Gefühle hat (das Stück diente als Vorlage für das berühmte Musical My Fair Lady)… Die heilige Johanna (Saint Joan): Ein einfaches Bauernmädchen macht sich, von Gott gesandt, auf den Weg, das von den Engländern besetzte Frankreich zu retten… Der Arzt am Scheideweg (The Doctor’s Dilemma): Der berühmte Arzt Sir Colenso Ridgeon steckt im Zwiespalt. Er kann nur einen von zwei Patienten retten, entweder einen bedeutenden Künstler, der allerdings ein Ekel ist, oder einen bedeutungslosen, aber dafür anständigen Durchschnittsmenschen… Die Millionärin (The Millionairess): Die schwerreiche Epifania Ognisanti di Parerga ist es gewohnt, ihren Willen durchzusetzen. Aber ausgerechnet der Mann, für den sie sich wirklich ernsthaft interessiert, zeigt sich von ihrem Geld und ihrer grossen Klappe völlig unbeeindruckt… Der Kaiser von Amerika (The Apple Cart): Irgendwann in der Zukunft sollen die Vereinigten Staaten von Amerika wieder mit der einstigen Kolonialmacht Grossbritannien vereinigt werden. Der britische König Magnus könnte dadurch Kaiser eines riesigen Reichs werden. Er ist sich aber nicht sicher, ob das eine gute Idee ist…

Viele von George Bernard Shaws Werken sind (teils englisch, teils deutsch) bei buchplanet.ch zu haben.

23. März 2016

Exlibris Nummer 27

by Julia S.
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Häufig anzutreffen bei uns dieses Ex Libris

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Neues gefunden von heute

22. März 2016

Das mache ich mit links!

by Gabriel Weber

Manche Menschen schreiben mit der rechten Hand, andere (zum Beispiel Buchplanet-Chefin Sara Grob und meine Wenigkeit) mit der linken. Linkshänder wurden jahrhundertelang unterdrückt und diffamiert (man denke nur an Ausdrücke wie „linkisch“, „zwei linke Hände“, „Ehe zur linken Hand“). Die linke Hand gilt als unrein und tabuisiert, ein Linkshänder als ungeschickt oder sogar unehrlich… Darüber schreibt Rik Smits in seinem Buch Linkshänder – Geschichte, Geschick, Begabung.

Die Menschen neigen dazu, die Welt in zwei Kategorien einzuteilen (gut und böse, männlich und weiblich, wahr und falsch, Wir und die Anderen, die Rechtgläubigen und die Ungläubigen etc.). Gerade in der Politik hat man mit dieser Schwarzweiss-Malerei erfahrungsgemäss oft grossen Erfolg. Warum sollte man da nicht auch „links“ und „rechts“ einteilen? Und da seit jeher in allen uns heute bekannten Völkern die Rechtshänder bei Weitem in der Mehrheit waren, lag es nahe, „rechts“ (nicht nur sprachlich) mit „richtig“ gleichzusetzen. Diese Ansicht setzte sich in der Sprache, in der Religion und im Aberglauben durch; rechts ist gut, sauber, ehrlich, göttlich – links ist schlecht, schmutzig, verbrecherisch, teuflisch. Sogar in der Kunst kann man dieses Prinzip beobachten. Andererseits symbolisiert die linke Hand aber auch Leben und Gesundheit (auf Michelangelos berühmtem Schöpfungsgemälde empfängt Adam das Leben nicht zufällig mit der Linken).

Robert Baden-Powell schrieb abwechselnd mit beiden Händen, manchmal sogar gleichzeitig; weitere prominente Linkshänder sind Napoleon Bonaparte (daher seine charakteristische Haltung mit der rechten Hand in der Weste), Leonardo da Vinci, Charlie Chaplin, Albert Einstein, Friedrich Nietzsche, Ludwig van Beethoven, Hans Christian Andersen, Julius Cäsar und Paul Klee.

21. März 2016

In seiner eigenen Schreibe

by Julia S.

Berühmtere Gesichter könnte dieses Exemplar nicht haben, schon gar nicht alle auf einem Haufen. Ziemlich englisch würde ich sagen. Da die Einleitung Jon Savage geschrieben hat, der ein britischer Pop-Musikjournalist und Publizist ist, der vor allem bekannt wurde durch seine vielbeachteten Bücher. Das Vorwort stammt von Paul McCartney und die Zeichnungen kritzelte John Lennon selbst und höchstpersönlich in seine merkwürdige Lektüre. Dazu steht Karl Bruckmaiers pop-kritische Meinung im Nachklapp.

LennonDies war John Lennons erstes Buch und entstand in dem seltsamen Zeitraum der Superstar-Werdung der Beatles, als nach dem nationalen der internationale Erfolg sich einstellte, als aus Popstars ernstzunehmende Künstler wurden und aus einer Unterhaltungstruppe ein gesellschaftliches Phänomen. IMG_0002

Ein Shop-Buch bei uns der besonderen Art. John Lennons Texte regen unser Hirn ganz neu an, richtig zu lesen und nicht über komische Wörter zu stolpern wie bei einigen Titeln zum Beispiel über den „Beim Zahnarscht“, oder „Das Fettgewächs auf Erich Hingerl“. Auch nicht über das „Liddypool“, das „Schatzgerinnsel“, der „Heilbutt kehrt Zürich“ oder „Der Modder Modder Mann“. Schon mal gehört; „Erster Akt, 3. Szene“ nicht aber „Die Albernsbagger Meinungsdummfrage über das Fernsägen“, „Teilweise Dave“ oder „Auf Zapfari mit Waidhamster“* (*Dieser Text wurde zusammen mit Paul untergepflügt.)

 

17. März 2016

Reiseführer der Fantasie

by Gabriel Weber

Die reale Welt, in der wir leben, ist schon ziemlich gross. Aber noch viel grösser, ja grenzenlos, ist die Welt der Fantasie. Wer sich einen Überblick über irreale Orte verschaffen will, kann den Dictionary of Imaginary Places von Alberto Manguel und Gianni Guadalupi zu Rate ziehen.

Alles ist dabei: Middle-Earth von J. R. R. Tolkien, Narnia von C. S. Lewis (Blog vom 2. Dezember 2013), Shangri-La von James Hilton (Blog vom 30. Juli 2015), The Island of Doctor Moreau von H. G. Wells (Blog vom 3. November 2015), aber auch James Matthew Barries Neverland, Jonathan Swifts Liliput, Lewis Carrolls Wonderland und L. Frank Baums Oz. Im Anhang für diese Expandend Edition werden auch Michael Endes Phantasien (Blog vom 8. Januar 2015) sowie Schilda erwähnt. Die Leser und Leserinnen werden genau instruiert, wie sie am besten zu Draculas Schloss kommen und welche Vorsichtsmassnahmen sie für ihren Besuch dort ergreifen sollten (Kreuze, Knoblauch, Hammer, Pfähle). Man erfährt auch, was es auf Robinsons Insel alles zu besichtigen gibt (und dass man dort die Regenzeit meiden sollte). John Bunyans Vanity Fair (Jahrmarkt der Eitelkeit) fehlt ebenso wenig wie das legendäre Atlantis.

Was mich besonders interessiert hat, waren die Einträge über France-Ville und Stahlstadt von Jules Verne (Blog vom 22. August 2013, einer meiner ersten).

16. März 2016

Titelbilder: Fünf mal ROT aus der Schweiz…

by Julia S.
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Die Serenaden

Heute stelle ich Ihnen fünf Bücher aus unserem Shop vor, die mit der Schweiz im Zusammenhang stehen, mit 5 mal ROT aus der Schweiz.

SERENADEN AM LÖWENDENKMAL IN LUZERN, 1944 – 1985. Ein Gästebuch der besonderen Art. An musikalischen Anlässen in Luzern in einem Restaurant setzten die Gäste – darunter auch bekannte Musiker – in froher Stimmung ihre Unterschrift um die Zeichnungen von Hans Erni herum, – der der Schwager des Restaurantmeisters war und des öfteren dort verkehrte – seine Zeichnungen; gewohnt schwungvolle Kritzeleien mit bewegender Lebendigkeit. So entstand dieses rote Buch. Zusammengefasst mit den Anlässen zum Beispiel einer MOZART-SERENADE Löwendenkmal, Sonntag und Montag, 15. + 16. August, 20.45 Uhr mit Leitung: Paul sowieso, Solistin… und weiteren Informationen darüber.

VIERZIG GEDICHT IR BÄRNER UMGANGSSCHPRACH. wie geits?// äs chunnt/ äs geit// ganz zerscht/ chunnt meh/ als geit// doch gly/ chunnts so/ wies geit// und bald/ geit meh/ als chunnt// bis/ alles geit/ und nüt me chunnt//.  So schreibt der Schweizer Lyriker und Pfarrer Kurt Marti in seinem Band IMG_0002rosa loui von 1967.

SAGEN AUS DEM SARGANSERLAND. Diese neue Sammlung von Sagen aus der Schweiz kam zustande durch eine im ganzen Sarganserland vorgenommene Nachbefragung der Bevölkerung. Die lebendig gebliebenen mündlichen Überlieferungen, sind in ihrer Vielfalt dokumentiert, wort- und lautgetreu wiedergegebene Geschichten, wie diese; „Dr Offä Himmel. Z Mädris isch ä jungs Mäitli gsii. Blous rächt us dr Schuel. Äs isch glaubi in d Fabrigg. Das isch chrangg wordä und hät gwüsst, ass es muess stärbä. Äi Helli, houch joubä. Mä chünn nid säägä, we schüü das sei, wunderschüü. Si hinds dinn na an ds Pfischter träit, vors gstorbän isch, ass es namoul hät chünnä an Himmel ufiluegä. D Schwöschter vun em läbt glaubi na. Si isch im Pfläägihäim.“

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Clan-Geschichten

DIE WELT ALS WILLE & WAHN. Niklaus Meinberg fasst hier zusammen was die Elemente zur Naturgeschichte eines Clans machen. Jeder gehört zu einem Clan, wer Grossmutter/ Grossvater, Tanten, Cousinen und Geschwister hat. Wenn aber der Clan Wille-von Bismarck heisst, und später Rieters, Schwarzenbachs, von Weizsäckers, von Erlachs angekoppelt werden, dann sind die Macht- und Reichtumsverhältnisse anders als bei Meier und Müllers und Meienbergs. Dann wird die Clan-Geschichte zur Schweizer Geschichte, oder auch zur deutschen.

IMG_0003Fritz Ringgenberg erzählt in GLUT UNTER DER ASCHE seiner Prosadichtung von sorgsam zusammengetragenen historischen Fakten und eigens erschaffene Gestalten aus dem Berner Oberland. Angespornt durch eine heimatkundliche Abhandlung, am 17. September 1782 habe eine Frau auf der alten Richtstätte der Landschaft Hasli als Hexe den Feuertod erlitten, dann der Verdacht, so spät im achtzehnten Jahrhundert könne auch im Berner Oberland kaum mehr ein solches Urteil gefällt worden sein, führten den Verfasser auf die ihm auch sonst durch seine historischen Studien kundige Suche nach Dokumenten und Urkunden in den Archiven. Kriminalmanuale und Berichte gaben schattenhaft preis, was damals als Schuld auf dem Holzstoss neben der Ruine Resti bei Meiringen gesühnt worden war.

15. März 2016

Nicht lesen!

by Gabriel Weber

Das gedruckte Wort ist der grösste Feind der Autorität. Deshalb hat die römisch-katholische Kirche jahrhundertelang ein genaues Register jener Bücher geführt, welche die Gläubigen (zum Teil unter Androhung der Exkommunikation) nicht lesen durften: Index Librorum Prohibitorum, den Index der verbotenen Bücher. Im Katalog von buchplanet.ch findet man eine Ausgabe von 1948. Werfen wir doch mal einen Blick in dieses Buch der Bücher und sehen nach, was da so drinsteht.

Da findet man natürlich Aufklärungsphilosophen wie Voltaire und Diderot, auch Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft) kommt vor. Grössen der Weltliteratur wie Honoré de Balzac und Victor Hugo (letzterer mit seinen beiden wohl berühmtesten Werken, den Romanen Les Misérables und Notre-Dame de Paris) sind vertreten, ferner Gabriele d’Annunzio, Heinrich Heine und Emile Zola. Interessant ist aber auch, wer damals nicht (oder nicht mehr) auf dem Index stand. Charles Darwin sucht man ebenso vergebens wie Karl Marx, weder Lenins noch Hitlers Schriften werden erwähnt.

Schade, dass keine Details angegeben werden, was genau den kirchlichen Autoritäten an diesen Büchern nicht gepasst hat. Da bleibt viel Raum für Spekulationen… Ich muss voller Scham gestehen, dass manche der oben erwähnten Autoren auch bei buchplanet.ch zu finden sind. Mea culpa (hoffentlich liest der Papst diesen Blog nicht)!