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Schillers Schauergeschichte

von Gabriel Weber

Johann Christoph Friedrich von Schiller ist hauptsächlich als Dramatiker (Wilhelm Tell, Don Carlos, Die Räuber, Wallenstein, Kabale und Liebe, Maria Stuart, Die Jungfrau von Orléans) und als Lyriker (An die Freude, Die Kraniche des Ibykus, Würde der Frauen) bekannt. Romane, Erzählungen usw. hat er hingegen nur sehr wenige verfasst. Besonders interessant ist der fragmentarische Schauerroman Der Geisterseher.

Der Graf von O*** besucht einen deutschen Prinzen, der sich in Venedig aufhält. Es ist gerade Karneval und in der Lagunenstadt wimmelt es nur so von maskierten Gestalten. Eine davon ist offenbar ein Armenier, der immer wieder auftaucht und wieder verschwindet und ein ganz besonderes Interesse an dem Prinzen zu haben scheint. Er informiert den Prinzen, lange bevor irgendjemand in Venedig davon wissen kann, vom Tod seines Vetters; er hetzt einem Mann, der dem Prinzen nach dem Leben trachtet, im Handumdrehen die Staatsgewalt auf den Hals; und als der Prinz und der Graf gerade im Begriff sind, einem spiritistischen Scharlatan (dem „Sizilianer“) auf den Leim zu gehen, ist der Armenier schon wieder zur Stelle. Wer ist er? Was will er von dem Prinzen? Was Graf O*** schliesslich über diese geheimnisvolle Persönlichkeit erfährt, klingt fast unmöglich. Ist es wahr, dass der Armenier zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Weltgegenden auftaucht und weder Alter noch Gewalt ihm etwas anhaben können?…

Aufklärung und Aberglaube, Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten, Okkultismus und Geisterbeschwörungen, Freimaurertum, Cagliostro… In Schillers Erzählung (erstmals erschienen in Fortsetzungen 1786-1789) erkennt man deutlich das späte 18. Jahrhundert. Zu schade, dass die ganze Geschichte ein Fragment geblieben ist.

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