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Fundiert mitreden…

von Julia S.

Teigaff, Tüpfi, Tumme Siech. Schimpfen und Fluchen im Schweizerdeutschen. Mehr als 20 Jahre nachdem der Basler Germanist Andreas Lötscher (mit einem Nachwort in diesem Buch) mit seinem „Lappi, Lööli, blööde Siech“ das erste „Standartwerk zum Schimpfen und Fluchen im Schweizerdeutschen“ herausgegeben hat, legt jetzt der Zuger Autor und Sprachliebhaber Fritz Kamer mit seinem „Teiggaff, Tüpfi, Tumme Siech“ ein neues, auf Lötscher aufbauendes Kompendium vor. Für alle, die Freude am Schweizerdeutschen in seiner blumigsten Ausformung haben und in schwierigen Lebenslagen endlich kompetent mitreden wollen, ist „der Teiggaff“ ein unverzichtbares Handbuch über die „unteren Schubladen“ unserer schweizerdeutschen Umgangssprache.

Jeder Schweizer weiss, was ein Cholderi ist, und wie schwer es doch eine hochdeutsche Schnatterente gegen eine helvetische Schnädergäx oder eine zugerische Chlefele hat. Wobei man wissen muss, dass ein Chlefeli eine innerschweizerische Kastagnette ist. Beispiele der härtesten Sorte sind etwa: Aarschloch, Schoofseckel, Seckel.Aff, Lööli und Lappi sind schon etwas „feiner“. Auf etwa die gleiche (mildere) Grobheitsstufe können Aarmloch, Aschtloch, Aarmlüüchter und Sedibeckel sowie Schoofsziegel und schofseeleguete Mäntsch gesetzt werden. Dies sind verhüllende Nebenformen der schärferen „Wortväter“, also etwas „stubenreiner“. Man weiss jedoch immer noch, was gemeint ist! Meist treten sie als flexible, im Satzbau sowohl am Anfang wie in der Mitte oder am Schluss einsetzbare Interjektionen auf: Chasch gopfertammi nid besser luege? Heb emol dini Pfoten ewägg, gopferteli! Weniger gelehrt kann man diese Dazwischenwürfe als Ausrufe bezeichnen. Dieses Beispiel bringt uns bereits in die Nähe der allgemein spannungslösenden Ausrufe, die nicht unbedingt Flüche sein müssen, wie Auwaa, Pfui, Seich! und schliesslich neuschweizerdeutsch Scheisse, merde und shit! Also, es gibt sie, die Jugendsprache. Die Erwachsenen, besonders die Grufti und Komposchti haben oft Mühe damit – andere Erwachsene hingegen usurpieren sie und wollen damit dem Jugendlichkeitsideal frönen. Oft beklagt man die wachsende Aggressivität der Sprache der Jugendlichen. Ob aber früher mit feineren Waffen gefochten wurde, wäre im Detail zu untersuchen. Ob ein Trottelmuseum respektloser wirkt als eine Spinnwindi, ein Alki beleidigender als ein Süffel, bleibe dahingestellt. Die Chlapperschlange und die Tippmamsell, sind im Boss-Keyboard-Yourself-Zeitalter ebenso ausgestorben wie die Bürochlammere und der Radiergummi. Nur die Voorzimmertante fristet auf einsamen Höhen noch ihr machtvolles Leben. Und richtige Schimpfwörter, die allerdings oft nicht besonders ernst gemeint waren oder genommen wurden, sind, in ihren phantasievollsten Schöpfungen, etwa: Du aagfrässni Bisamratte, Du Spitzbirechopf, Du wandelnde Kanalisatioonsschacht (war mit schschwerer Zzunge wohl kaum zu bewältigen), Du aagfrässni Nootportioon, Du uusgmergleti Bränntwiisüüle, Du apröcklete Gartezwäärg. Letzterer wird auch in der dritten Person gebraucht, ebenso der glismeti Heiland.

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