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Herrn Langs Brieftasche

von Gabriel Weber

Josef Lang, der letzte Scharfrichter der Donaumonarchie Österreich-Ungarn, trug in seiner Brieftasche stets Fasern von den Stricken bei sich, mit denen er Leute gehängt hatte. Er hatte einen Beruf, den es heute (zumindest bei uns) nicht mehr gibt. Weitere solche Berufe lernt man in Rudi Pallas Buch Von Sesselträgern, Drahtziehern und Lustfeuerwerkern kennen.

Ein Perückenmacher machte Perücken, das ist klar. Auch die Tätigkeiten von Korbflechtern, Zeltmachern, Büchsenschmieden und Färbern erklären sich einigermassen von selbst. Aber wissen Sie beispielsweise, was ein Plattner tat? Er fertigte Harnische an, Plattenharnische, die ab 1400 Ring- und Kettenpanzer ersetzten. Die Arbeit eines Lustfeuerwerkers hatte nichts Obszönes an sich, sondern bestand in der Aufführung von Feuerwerken bei festlichen Anlässen. Dienstmänner schleppten noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, besonders in Wien, auf Bahnhöfen Koffer und Taschen von Reisenden. Abdecker, die für das Töten von Tieren und das Vernichten von Tierkadavern zuständig waren, hatten einen ähnlich schlechten Ruf wie Rosstäuscher, also Pferdehändler, die (nicht immer zu Unrecht) oft unter dem Generalverdacht des Betrugs standen.

Ein ziemlich delikates Gewerbe hatten die Abtrittanbieter: Zu einer Zeit, als es zwar noch keine öffentlichen Toiletten gab, die Leute aber trotzdem schon mussten, boten sie zahlenden Kunden Eimer und Deckung zum Urinieren (kein Witz!)…

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