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Königlich böhmische Religion

von Gabriel Weber

Dass Josef und Maria damals mit dem Jesuskind aus Bethlehem nach Ägypten geflohen sind, das ist bekannt. Aber haben Sie gewusst, dass sie auf ihrer Flucht auch das Königreich Böhmen durchquert haben? Davon erzählt Otfried Preussler in seinem Buch Flucht nach Ägypten. Königlich böhmischer Teil.

Auf der Flucht vor den Schützen und Dragonern des Königs Herodes, die dem kleinen Jesus den Garaus machen wollen, gelangt die Heilige Familie nach Böhmen (die Landkarte sah damals eben noch anders aus als heute). Allerdings hat König Herodes bereits an Seine apostolische Majestät den Kaiser Franz Joseph in Wien telegrafiert und ihn um Rechtshilfe gebeten; der Kaiser leitet das Gesuch nach Prag weiter, wo Hofrat Dr. Johann Nepomuk Wottruba Ritter von Treuenfels die Sache in die Hand nimmt. Auch der k. k. Bezirkshauptmann Freiherr von Webern, die k. k. Bezirkskommissäre Czirnich und Doskocil, der k. k. Finanzwach-Oberaufseher Schübl, der k. k. Finanzwach-Unteraufseher Behounek und andere k. k. Mannsbilder sind an der Aktion beteiligt. Die böhmische Bürokratie gibt sich alle Mühe, die Reisenden dingfest zu machen – gelenkt, ohne es zu wissen, von der Geschäftsleitung der Hölle, welche die Flucht nach Ägypten vereiteln möchte. Aber natürlich ist auch die Konkurrenz im Himmel nicht untätig, da es ja schliesslich um den Sohn des Chefs geht.

In wunderbarer böhmischer Mundart vermischt Preussler biblische Geschichte und historische Donaumonarchie. Gerade das Anachronistische (etwa, wenn Josef, Maria und Jesus in einer Kirche Rast machen und dort von einer Gruppe böhmischer Heiliger begrüsst werden) ist es, was dieses Buch so reizvoll macht.

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