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Hoch Moral, sie lebe hoch!

von Gabriel Weber

Der (sic!) hochWohlgebohrnen Fräulein, Fräulein Juliana Augusta von Bunau, als einer besondern Liebhaberin der Tugend, der Wahrheit, der Musik und aller freyen Künste… dieser und noch anderen Damen widmete Lorenz Mizler mit unterthäniger Ergebenheit seine Sammlungen auserlesener moralischer Oden aus dem 18. Jahrhundert.

Erweise, dass dich nicht die Ehre, nicht Gold, nicht Silber blenden kan, Ja zeige, dass die Tugend-Bahn Allein Zufriedenheit gewehre„. „Mein Vergnügen heisst auf Erden, ein vertrauter Freund allein: Wenn ich den kan habhaft werden, So stimmt Herz und Lippen ein, Und die Losung ist das Pfand: Freundschaft ist das schönste Band„. „Blitz, Donner und Carthaunen-Knall, Ist was mein Herz vergnüget, Und wenn die Kugel überall, In Lüften pfeift und flieget, So bin ich schon erfreut. Wenn viel tausend Bomben donnern Und des Feindes Mauern krachen, Kan ich mir Vergnügen machen„. So geht es weiter: Entsagung der Eitelkeit. Verachtung der Eitelkeit. Die ZufriedenheitDie Grossmüthige Unschuld. Von der Selbst-Zufriedenheit. Das Lob der edlen FreyheitDass die Freyheit besser sey, als wenn man sich verliebe. Diese und andere hochgradig moralische Oden kann man, mit Text und Noten, in Faksimile nachlesen – und sie sich zu Herzen nehmen (ausgenommen die Kugeln und Bomben natürlich, siehe oben)! Lorenz Christoph Mizler (1711-1778) war ein deutscher Musikwissenschaftler, der zunächst in Leipzig, dann später in Polen lebte. Er hat diese Oden übrigens grösstenteils nicht selber gedichtet, sondern Verse anderer Autoren (wie Johann Christoph Gottsched oder Johann Christian Günther) vertont.

Hach, was fühle ich mich doch moralisch gestärkt und erbaut nach dieser Lektüre (trotz der abenteuerlichen Rechtschreibung)!

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